Gütetermin: Thomas Fring’s Verirrung

Beim Gütetermin zwischen der Stadt Gelsenkirchen und dem ehemaligen stellvertretenden Jugendamtsleiter Thomas Frings kam es – erwartbar – zu keiner Einigung. Thomas Frings wehrt sich vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen gegen seine fristlose Kündigung.

Beim Gütetermin zwischen der Stadt Gelsenkirchen und dem ehemaligen stellvertretenden Jugendamtsleiter Thomas Frings kam es - erwartbar - zu keiner Einigung. Thomas Frings wehrt sich vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen gegen seine fristlose Kündigung.

 

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(Foto: CC Lizenz- Frank Vincentz, Wikipedia) 

Seiner Auffassung nach habe die Stadt von seiner Nebentätigkeit jahrelang gewusst, sie sogar unter Kenntnis von Konzept und Akteuren genehmigt. Die Stadt bezeichnet dies als Lüge und will nur eine allgemeine Nebentätigkeit genehmigt haben („Geschäftsführung zur Vorbereitung internationaler Maßnahmen“). Als den Verantwortlichen bei der Stadt dämmerte was dahinter steckt, habe man die Nebentätigkeit untersagt.

Stadt bietet Aufhebungsvertrag ohne Abfindung an. Thomas Frings will weiter bei der Stadt beschäftigt bleiben

Die Interessen der Parteien sind einfach zu durchschauen. Die Stadt Gelsenkirchen will den ehemaligen stellvertretenden Jugendamtsleiter am besten genau so schnell loswerden, wie den bereits mit einem Aufhebungsvertrag abgewickelten Alfons Wissmann. Daher unterbreitet sie ihm ebenfalls das „Angebot“ eines Aufhebungsvertrages. Thomas Frings hingegen kann sich vermutlich den komplikationslosen Abgang eines Wissmann nicht erlauben. Wissmann steht kurz vor der Rente und aktuell – wie Nachbarn berichten – finanziell gut da. Frings hingegen ist weitaus jünger und das „rettende Ufer“ Rente ist noch in weiter Ferne. Seinem Verhalten nach scheint er derzeit keine andere Wahl zu haben, als darauf zu hoffen, dass er mit seiner Klage auf Weiterbeschäftigung erfolgreich ist.

Beruflich ruiniert

Fakt ist schließlich: Fliegt Frings, ist er beruflich ruiniert. Die Jugendamtsleitung ist ein Amt mit hoher moralischer Verantwortung. Dass Frings dieser Verantwortung – auch stellvertretend – möglicherweise nie gewachsen war, deutet seine inzwischen bestätigte Firmengründung in Ungarn an und bestätigt sich zukünftig wahrscheinlich vollends, wenn ihm und Wissmann die im Raum stehende strategische Überbelegung des Kinderheimes St. Joseph nachgewiesen werden sollte.

Doch neben juristischem Recht und moralischem Rechtsempfinden liegen bekanntlich Welten. Frings ist, das hat er beim Gütetermin mit der der Stadt Gelsenkirchen über seinen Anwalt ausrichten lassen, davon überzeugt, nichts Unrechtes getan zu haben. Sein Anwalt sieht das öffentlichkeitswirksam genauso. Vielleicht beeindruckt man in dieser Siegessicherheit das Arbeitsgericht, die Stadtgesellschaft hingegen dürften diese Äußerungen noch mehr als ohnehin schon verärgern. Sein gelassener Auftritt im blauen Designeranzug vor Gericht wirkte ohnehin gekünzelt unsouverän.

Frings ist schlecht beraten

Frings ist krisenkommunikativ schlecht beraten, seine Äußerungen und die seiner „Berater“ entfalten die Wirkung eines Bumerangs. Je weiter er die Vorwürfe von sich weist, desto vernichtender werden die Einschläge, wenn die Stadt Frings vor Gericht das Gegenteil beweist. Und selbst falls die Stadt das nicht schafft, welcher Mitarbeiter der Stadt nähme diesen Mann noch ernst?  Moralisches Bewusstsein? Fehlanzeige. Fähigkeit zur Selbstreflexion? Fehlanzeige! Vorbildfunktion? Sie merken, jetzt wird es lächerlich.

Natürlich gilt die Unschuldsvermutung auch für Thomas Frings. Nach allem, was aber bisher bekannt geworden ist und bereits belegt werden konnte, öffentlich den Wunsch zu äußern, weiter bei der Stadt beschäftigt sein zu wollen, mag man als kämpferisch auffassen, in Wirklichkeit ist es die Verirrung eines Mannes, dem langsam dämmert, in welcher Lage er sich tatsächlich befindet.

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6 Kommentare zu “Gütetermin: Thomas Fring’s Verirrung”

  1. Vonthorn
    7. Juli 2015 at 12:34 #

    Kompliment für die journalistische Schreibe, Dennis.
    Aber: Der Kommentar zur. Klage wg. Wiedereintellung stimmt nicht so ganz. Frings bleibt gar nichts anders übrig. Es geht nur darum, die Summe der Abfindung in die Höhe zu treiben. Nicht mehr, nicht weniger.
    Eine erfahrene Krisen-PR-Fachfrau ;).

  2. Dennis
    7. Juli 2015 at 13:36 #

    Na, da bedanke ich mich zunächst für das Kompliment. Das mit der Klage leuchtet ein, das „Gehabe“ nicht. Letztlich wird Frings auch nach einer möglichen Abfindungszahlung (diese einzufordern rückt ihn vermutlich für Viele ja schon in ein schlechtes Licht) nochmal irgendwo fußfassen müssen. Und das wird schwer, wenn man ihn kommunikativ so hinrichtet. „Menschen machen Fehler, die Stadtverwaltung macht Fehler, nur Thomas Frings ist der Auffassung nichts Unrechtes Getan zu haben“, so kommt es derzeit rüber. Wie gesagt, juristisch kann das ja erfolgreich ausgehen. Kommunikativ ist es ihm, das wirst du als Krisen PR Fachfrau vermutlich ebenfalls so sehen, nicht unbedingt zuträglich.

  3. Alina Marks
    30. Juli 2015 at 13:58 #

    Sehr geehrter Herr Zitzewitz,

    Ihr Artikel deutet in keiner Weise darauf hin, dass Sie verstehen was eine Unschuldsvermutung überhaupt bedeutet.

    Bis dato ist nichts von dem was vorgeworfen wurde bewiesen oder belegt. Ich gehe davon aus, dass Ihnen die Inhalte des Gerichtstermines nicht bekannt sind. Diese standen ja auch nicht in der Presse. In der Presse werden immer wieder nach gleicher Machart die Vorwürfe wiederholt, davon werden Vermutungen nicht wahrer.

    Wenn Herr Frings nichts getan hat, dann muss er nicht, so wie Sie es gerne hätten, mit gesenktem Haupt durch die Gegend marschieren. Das müsste er im übrigen auch nicht, wenn was dran bliebe.
    Und wenn klar wäre, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, dann darf er aus Ihrer Sicht trotzdem nicht arbeiten? Aha, klingt logisch. Ich werde des Diebstahls beschuldigt, es wird bewiesen, dass das gelogen war, aber ich darf den Laden nicht mehr betreten? Das nenne ich mal ein gesundes Gerechtigskeitsempfinden, Herr Zitzewitz.

    Und mit einem Anzug zu einer öffentlichen Gerichtsverhandlung zu kommen , wenn zudem Presse anwesend ist, empfinde ich als selbstverständlich und angemessen. Wie würden Sie erscheinen? In GE Style: Primark Klamotten, kurze Hose, Badeschläppchen?

    Ihr Artikel gehört in den Bereich der Regenbogenpresse. Er ist rein stimmungsmachend und enthält keinerlei eigene Recherche und keine Sachlichkeit. Schade.

  4. Kai
    30. Juli 2015 at 15:14 #

    Sehr geehrte Frau Marks,

    bis dato ist nichts bewiesen? Da habe ich im Radio aber schon vor Wochen ein paar ganz andere Dinge gehört, besonders was den Kinderschutzbund Gelsenkirchen angeht.

    Hier Regenbogenpresse zu unterstellen finde ich ein bisschen weit hergeholt und natürlich erscheint man vor Gericht im Anzug, das kritisiert Herr Zitzewitz hier auch gar nicht. Ein Auftritt im edlen Designerzwirn mit der Siegesüberzeugung in der Ausstrahlung kann aber durchaus als unpassend und arrogant ausgelegt werden und trägt keineswegs dazu bei, dass die eigene Ausßendarstellung positiver wird.

    Herr Zitzewitz sagt nebenbei auch nicht, dass Herr Frings nicht mehr arbeiten dürfe, wenn er unschuldig wäre, sondern lediglich, dass ihn bei den Mitarbeitern, egal was am Ende rauskommt, wohl kaum noch jemand wirklich ernst nehmen würde.

    Was dabei am Ende herauskommt kann man bisher nur erahnen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es für einige der Beteiligten nicht gerade positiv sein dürfte und auch wenn zunächst eine unschuldsvermutung gelten muss, so ist doch festzuhalten, dass Herr Wissmann anstandslos einen Aufhebungsvertrag angenommen hat und auch das betroffene Kinderheim und der Kinderschutzbund bereits personelle Konsequenzen gezogen haben. Irgendwie deutet da wenig darauf hin, dass Herr Frings sich tadellos verhalten hat und mit weißer Weste aus dieser Sache heraus kommt.

    Aber das werden wir dann ja sicher noch sehen…

  5. Dennis
    30. Juli 2015 at 16:10 #

    Werte Frau Marks, ich kann Ihre emotionale Reaktion auf meinen Artikel nur bedingt nachvollziehen. Zumal ich an keiner Stelle die juristische Unschuldsvermutung hinterfrage.

    Wenn es die Strategie seiner juristischen Beratung ist, ihn als „Gewinner“ und „unschuldiges Opfer“ zu stilisieren, dann werden sich die Fachleute sicherlich etwas dabei denken. In der öffentlichen Wahrnehmung hat ihm dieses arrogant wirkende Gehabe nachhaltig geschadet. Diese Auffassung, die eine persönliche ist, habe ich im Artikel dargestellt.

    Ich habe kein Interesse daran, dass Herr Frings mit geneigtem Haupt umherläuft. Ich glaube aber, dass es in der Wahrnehmung einen Unterschied machen sollte, ob gerade der Prozess gegen einen stellvertretenden Ex-Jugendamtsleiter zu beobachten ist oder einem Industriellen.

    Diesen Unterschied konnte ich persönlich und auch viele Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, nicht wahrnehmen. Hierin liegt aus meiner persönlichen Sicht auch das schwerwiegendste „Eigentor“ seiner Berater. Aber wie Sie richtig anmerken, ist die Entscheidung darüber ja noch völlig ergebnisoffen.

    Was mich – gerade weil Sie mein Gerechtigkeitsempfinden in Zweifel ziehen – an Ihrem Kommentar betroffen macht, ist Ihre Auffassung, dass Herr Frings, Ihrer Aussage zur Folge, selbst wenn an den Vorwürfen etwas dran bliebe, nicht mit gesenktem Haupt umherlaufen müsse.

    Ich finde, Frau Marks, er sollte dann gar nicht mehr rumlaufen, sondern sitzen.

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