Gelsenkirchen ist voll von spannenden Persönlichkeiten. Gelsenkirchen Blog stellt sie vor.
Dörthe Huth (41) arbeitet als Autorin und Psychologische Beraterin in Gelsenkirchen. Sie hat sich schon früh für Psychologie und Literatur interessiert und in diesen Bereichen ein Magisterstudium abgeschlossen. Sie hat die Zulassung als Heilpraktikerin für Psychotherapie, schreibt Bücher und Hörbücher und ist als Dozentin in der Ausbildung Psychologischer BeraterInnen tätig. Das Gelsenkirchen Blog “stolperte” immer mal wieder über die Arbeit von Dörthe Huth und fand es spätestens an der Zeit, ihr mal ein paar Fragen zu stellen, als sie im letzten McFit Magazin “Einfach gut aussehen” ein Interview gab.
Frau Huth, wer Germanistik und Psychologie studiert, schreibt in der Konsequenz dann Bücher über Psychologie mag der Volksmund vielleicht meinen. Ist das so einfach?
Nein, aber es wird aber mit jedem Buch einfacher. Zumindest beim Sachbuch. Ein Buch zu schreiben heißt, meine Gedanken über eine längere Strecke vorzustrukturieren. Dieser rote Faden muss dann während des Schreibprozesses in Sprache gefasst und einigermaßen eingehalten werden. Das, was in Büchern dann so einfach klingt, ist ein langer Entwicklungsprozess, der auch eine Menge Disziplin erfordert.
Was macht Ihrer Auffassung nach eine gute Psychologische Beraterin aus?
Eine gute Beraterin hat ein echtes Interesse an Ihrem Gegenüber, ist authentisch, wertschätzend und hat eine Interventionsmethodik erlernt, nach der sie die Lösungsprozesse begleitet. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die KlientInnen. Als gute Psychologische Beraterin kann man sich in andere einfühlen und ist dennoch in der Lage, sich abzugrenzen -auch im Sinne beruflicher Grenzen. Ich sehe Psychologische Beratung als eine Art Hilfestellung zur Selbsthilfe. Es geht um die Aktivierung des eigenen Problemlösungspotentials von KlientInnen. Konkrete Lösungsvorschläge sollten nur an den Stellen platziert werden, an denen KlientInnen vielleicht zu blockiert sind.
Sie haben ein sehr breites Ratgeberangebot im Portfolio. Angefangen bei Sonnenstrahlgeschichten – Wohlfühlgeschichten für kleine Abenteurer als Hörbuch, einem Ratgeber zum Verarbeiten von Bindungen ”Lass los und werde glücklich”, einem Hörbuch zur Meditation “für mehr liebevoll-erotische Sinnlichkeit”, Glücksratgeber ”Einfach Liebe, doppelt Glück und – was heraussticht – “Ehrlichkeit im Management”. Wie geht das zusammen? Und vor allem, was inspiriert Sie zu den jeweiligen Projekten?
Das Ratgeberangebot passt genau zu meinen Praxisschwerpunkten, denn es ergeben sich immer wieder sehr ähnliche Frage- und Problemstellungen. Das Buch und später auch das Hörbuch für Paare greift Inhalte auf, die immer wieder in der Paarberatung vorkommen. Auch beim Loslass-Buch geht es um die Herangehensweise, Lösungsprozesse zu durchlaufen. Schließlich ist es doch immer wieder interessant, wie andere Menschen aus schwierigen Situationen heraus finden und wem was dabei geholfen hat.Die Ehrlichkeit war das erste Buchprojekt in einer Zeit, in der ich mich intensiv in das Themengebiet Supervision und Coaching eingearbeitet habe. Das Wort Management würde ich heute gerne weiter fassen, es ist ja schon ein Paar Jahre alt, aber viele der beteiligten AutorInnen arbeiten im Führungskräftebereich. Etwas anders liegt es bei den Sonnenstrahlgeschichten, die ich zwar mit therapeutischem Hintergrundwissen aber doch als Mutter geschrieben habe, denn ich arbeite ausschließlich mit Erwachsenen. Nicht alle Eltern kennen sich mit Entspannungsmethoden oder Erzählritualen aus und bisher habe ich sehr schöne Rückmeldungen dazu bekommen.
Sie haben eine Praxis auf der Von-Oven-Straße 7 in Gelsenkirchen. Was sind das für Menschen, die Sie um Hilfe bitten?
Da mein Angebot außerhalb der Kassenleistungen liegt, haben sich mit den Jahren einige Schwerpunkte herausgebildet. Einerseits gibt es Paare, die ihre Beziehung verbessern wollen und einfach wieder mehr Freude in den Alltag einbringen möchten. Das sind dann Themen von besseren Gesprächen über mehr Miteinander bis hin zu Sexualität. Dann gibt es die Menschen, die sich in ihrem beruflichen Handeln begleiten lassen. Meist kommen sie aus sozialen oder anderen sehr fordernden Berufen und versuchen sich so beispielsweise vor einem schleichenden Burnout zu schützen oder die Teamarbeit effektiver und reibungsloser zu gestalten. Es kommen Klienten, die sich durch Umbruchszeiten begleiten lassen und ab und an auch Frauen wegen einer Essproblematik. Und in den letzten Jahren sind die Klienten mehr geworden, die auch auf spiritueller Ebene eine neue Orientierung suchen, die sich Sinnfragen stellen oder sich Gedanken um Tod und Wiedergeburt machen.
Würden Sie sagen, die Welt ist komplizierter geworden oder woher entspringt die Nachfrage nach “Lebenshilfe” sowohl als Literatur und auch als Dienstleistung? Sind die Menschen heutzutage weniger orientiert?
Ja, ich denke schon, dass die Welt anders kompliziert ist als früher. Früher gab es klarere gesellschaftliche Regeln und ein stärkeres Eingebunden sein in die Familie, was einerseits Halt gab und andererseits auch eingeengt hat. Heute ist alles viel freier und die Medien holen uns viele verschiedene Lebensstile direkt ins Wohnzimmer. So haben wir mehr Vorbilder und Entwicklungsrichtungen. Gerade da aber sehe ich den Orientierungsbedarf. An wem soll man sich denn bei den vielen Möglichkeiten orientieren? Ganz deutlich wird der Orientierungsbedarf meiner Meinung nach an den vielen Fernsehsendungen zur Lebenshilfe, von Kallwas über die Super Nanny bis hin zu Was kochen wir heute. In vielen Lebenslagen stellt sich einem doch die Frage, was richtig oder falsch ist. Bei der Kindererziehung beispielsweise oder bei der Frage einer Eheschließung oder einer Trennung. So manch einem tut an solchen Stellen des Lebens eine Begleitung eine Zeit lang gut.
Sie sprechen von “spiritueller Orientierung”, wie grenzen Sie sich in Ihren Leistungen von sogenannten “Geistheilern” und Scharlartanen ab?
Ich stehe sehr fest in der Tradition der humanistischen Therapieverfahren, die immer die Grundlage meiner Arbeit bilden. Von diesem Ausgangspunkt integriere ich, was ich an Neuem dazu lerne und was den KlientInnen in ihren Fragestellungen weiterhelfen kann. Je intensiver ich mich mit der spirituellen Thematik auseinandersetze, umso mehr Respekt habe ich auch vor der Disziplin der Geistheiler. Aus meiner Sicht findet derzeit ohnehin eine Annäherung der Methoden statt. Übrigens hat schon C.G. Jung die spirituelle Bedeutung für die seelische Ebene erkannt und daher die Religion und Spiritualität mit der Psychologie verbunden. Scharlatanerie ist für mich da, wo jemand Versprechungen macht oder unverhältnismäßige Honorare kassiert. Scharlatane sind wahrscheinlich in jeder Branche zu finden.
Das für mich interessanteste Buch in Ihrem Portfolio ist das Buch “Ehrlichkeit im Management.” Was bedeutet dies Ihrer Auffassung nach. Wie würden Sie das umschreiben?
Ehrlichkeit ist für mich eine Grundvoraussetzung für ein gelingendes Miteinander, ob im Privaten oder im Beruflichen. Ehrlichkeit ist eine Frage des Gewissens, die wir immer wieder neu durch das entscheiden, was wir als gut und richtig befinden. Manager und Führungskräfte sind dabei nicht nur sich selbst und ihren Mitarbeitern verpflichtet sondern auch Geldgebern und Auftraggebern, so dass der Druck, zwischen dem, was nach außen transportiert werden darf und dem, was sie persönlich vielleicht als ehrlich empfinden, enorm sein kann. Ehrlichkeit kann deshalb problematisch werden, weil es ein abstrakter und dehnbarer Begriff ist. Jeder will doch ehrlich sein, doch klafft in der Realität häufig eine Schere zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Die Abweichung davon geschieht meist an den Stellen, an denen etwas unbequem wird, man etwas vor sich selbst nicht zugeben kann oder an denen vielleicht ein Fehler vertuscht werden soll. Solche Situationen kennt doch sicher jeder.
Abschließend ein Stadtortbekenntnis: Warum praktizieren Sie in Gelsenkirchen? Was fasziniert Sie und was ärgert Sie?
Als praktisch veranlagter Mensch habe ich mir einen Praxisraum gesucht, der zentral liegt, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, der nicht weit von zu Hause entfernt ist und den ich mir auch leisten kann, auch wenn die KlientInnen alle gleichzeitig Sommerurlaub machen. Manchmal ärgere ich mich schon, dass Gelsenkirchen im Vergleich zu anderen Städten irgendwie auf der Strecke geblieben ist, was sich z.B. durch den schleichenden Verfall der Stadt zeigt, durch die vielen Leerstände und die Abwanderungsquote. Ich mag ganz besonders die Grünzonen der Stadt, wie den Stadtpark, den Bereich rund um den Kanal und die alten Halden, besonders im Sommer. Aber auch den Ewaldsee oder den Nordsternpark. Faszinierend finde ich das Kunstmuseum mit seiner spannenden kinetischen Sammlung und den stets freundlichen MitarbeiterInnen. Und der Museumsbesuch kostet nicht einmal Eintritt!



January 25th, 2010 at 18:33
Die Arbeit die Frau Huth leistet wurde damals z.T. durch intakte Familienverhältnisse übernommen. Heutzutage ist es leider so, dass gerade in unseren Großstädten Menschen nebeneinander her oder sogar aneinaner vorbei leben. Wer tiefgründiger über die Arbeit nachdenkt, die Frau Huth ableistet, der stellt fest, dass sie ja keine “Verrückten” berät, sondern Leute auf der Suche nach einer Orientierung bzw. Richtung. Eine zweifellos wichtige Arbeit, schade nur, dass dafür in einer “Gesellschaft” neuerdings ein Honorar fällig wird.