Gaby Kösters in den Startlöchern stehendes Buch ist widerwärtig und ein Schlag ins Gesicht treuer Fans. Es scheint sich in der Medienlandschaft eine Mentalität durchzusetzen, die aus meiner subjektiven Sicht nur problematisch mit einer Anatomie des guten Geschmacks in Einklang zu bringen ist. Dabei hat schon Monika Lierhaus mit einem schäbigen Schmierentheater gezeigt, wie man es nicht macht. Gaby Köster zieht nun brutalstmöglich nach. Schade, denn Gaby Köster gehörte zu den talentiertesten und erfolgreichsten Comedians der deutschen Fernsehlandschaft.
Doch zur Historie: Gaby Köster verschwand zu Beginn des Jahres 2008 plötzlich und unerwartet unter geradezu mysteriösen Umständen von der Bühne und Bildfläche. Kaum jemand, vor allem treue Fans wussten nicht, wie es um Gaby Köster steht und was ihr überhaupt zugestoßen war. Das Management Kösters cancelte alle Termine und hüllte sich in konsequentes Schweigen. Schlimmer noch: Fans und Anhänger von Gaby Köster, die in Foren, Blogs und Newsgroups über den Gesundheitszustand und gar dem Tod von Gaby Köster spekulierten, sollen vom Management und dessen Anwälten – unter dem Deckmantel des Persönlichkeitsrechts - dazu aufgefordert worden sein, Spekulationen und auch die Berichterstattung zu unterlassen. Die Fans und Anhänger, sprich die ”Haupternährer” der Künstlerin, wurden nicht nur einer vollständigen Desinformation gegenüber gestellt, sondern vermutlich auch noch mit juristischen Konsequenzen bedroht, sofern die Frage danach gestellt wurde, wie es um Kösters Gesundheitszustand bestellt ist.
“Ein Schnupfen hätte auch gereicht”
Soso, Frau Köster hätte ein Schnupfen also auch gereicht. Dies erfährt der Leser aus dem Buchtitel mit dem Köster ihre “zweite Chance” zurück auf die Bühne ergreifen möchte. Genauer darüber reflektiert, hätte es zumindest aus Sicht der Fans, die sich aktiv um Aufklärung bemüht hatten, keinen zynischeren Titel geben können, wirft dieser doch die Frage auf, was wohl der Inhalt dieses Buches sein soll. Insofern das Management nun die “Aufarbeitung” des Schicksals von Köster der Buchpreisbindung gegenüber stellt, hat das mehr als einen faden Beigeschmack. Schlechter kann die “Marke” Köster nicht geführt werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Management Kösters hat aus meiner persönlichen Sichtweise aus kommerziellem Blickwinkel alles falsch gemacht, was man hätte falsch machen können. Die Argumentation, man wolle die Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre schützen, hinkte von Anfang an und wird mit der nun anstehenden Veröffentlichung vermutlich gänzlich ad absurdum geführt.
Bürgerliche Arbeit ohne Anteilnahme
Die zuvor per Verbot gestoppte Anteilnahme nun durch die Veröffentlichung eines Buches wieder zu revitalisieren ist nicht nur der großen Köster unwürdig, sondern auch den Fans, die sich nicht aus Sensationsgier, sondern aus Besorgnis über den Gesundheitszustand online austauschen wollten. Vielleicht hat das Management von Köster nun einen bürgerlichen Job für Köster in Petto. An der Kasse eines Supermarktes etwa. Vielleicht achtet man dann, was man zuvor mit Verboten belegt hat.



September 8th, 2011 at 03:33
Vielen Dank für diesen Beitrag!
Mich hat das Thema nämlich auch beschäftigt. Letzte Woche habe ich die Schlagzeilen um Kösters zufällig im Vorbeigehen im Kölner Express gesehen und musste sofort an die Farce um die bisherige Informationspolitik von Kösters Management denken.
Was soll man dazu noch sagen? Es ist Privatfernsehen par excellence: wenn wir was zu vermarkten haben, dürft ihr ruhig filmen und zahlen – ansonsten haltet bitte mal schön die Fresse, Fans hin oder her. Es ist die typische Bigotterie des Prekariatsfernsehens.
Frau Kösters ist nach ihrem Schlaganfall – der lächerlicherweise ja erst jetzt eingestanden wurde – persönlich selbstverständlich zu bemitleiden. Aber ihr Management ist in seiner Scheinheiligkeit und so unglaublich amateurhaft-durchschaubaren Art in jeder Hinsicht zu kritisieren und hinterfragen.
Letztendlich bleibt es ein Boulevardthema – und der Todesstempel unter dem letzten Funken von Kabarett. Aber sehr wahrscheinlich kann man für die Pflege hier jeden einzelnen Cent gebrauchen…
September 8th, 2011 at 09:57
Wie krank bist du, dass du meinst ein Anrecht auf Informationen über die Privatsphäre von Gaby Köster zu haben nur weil sie in der Öffentlichkeit steht!?! Leute wie du müssen sowas am eigenen Leib erfahren, um zu verstehen wie da gehandelt wurde. Ihr Medienmongos meint auch hinter jedem Scheiß einen kommerziellen Gedanken zu riechen!
Ich weiß garnicht warum ich mich so aufrege. Diesen Blog scheint eh kein Arsch zu lesen. Zu Recht.
Tschüss!
September 8th, 2011 at 20:08
Jonas Kösters Privatleben interessiert mich nicht. Ich habe ein Interesse daran, Fragen über Personen des öffentlichen Lebens zu stellen, ohne dafür juristische Konsequenzen fürchten zu müssen. Nebenbei: Ich war ein großer Fan von Köster, Sie haben meinen Beitrag inhaltlich nicht durchdrungen.
September 11th, 2011 at 09:18
Eigentlich zeigt sich doch nur, wie Management und Künstler fast immer nicht die gleichen Interessen teilen. Der einen Seite geht es um Kunst und den Menschen denen es gefällt (und manchmal auch um Geld), der anderen nur um Geld und Vermarktungschancen.
Wie gut ein Management ist zeigt sich ja leider erst, wenn man selbst nicht mehr lenkend eingreifen kann, sondern es autark agiert. Negativbeispiele dieser Art gibt es ja leider genug.