Erzieher = Kinderschänder??

Was hat sich die Stadt Gelsenkirchen mit ihrer Initiative „Kitas brauchen Männer“ ins Zeug gelegt, um für den Beruf des Erziehers zu werben. Leider macht ein aktueller Missbrauchsfall in einer städtischen Kita all diese – wie ich finde – genialen Bemühungen gänzlich zunichte. Ein Erzieher soll in Gelsenkirchen drei Kinder missbraucht haben. Nachdem der Erzieher mit dem Vorwurf konfrontiert worden sei, habe er sofort einen Krankenschein eingereicht und sei nicht mehr zum Dienst erschienen. Eine Untersuchung der Kinder konnte jedoch keine typischen Anzeichen eines Missbrauchs attestieren, berichtete die WAZ in ihrer Printausgabe.

Verantwortliche stellen Erzieher nun unter Generalverdacht.

In Reaktion auf diesen Vorfall geht den Verantwortlichen in Gelsenkirchen aktuell wohl ganz gehörig der Stift. Denn das, was man aktuell aus den Einrichtungen hört, wirbt nicht gerade für den Beruf des Erziehers, sondern stellt alle Männer in diesem Beruf unter den Generalverdacht Kinder zu missbrauchen. So berichtet eine Erzieherin, die in einer Gelsenkirchener Einrichtung arbeitet, das unmittelbar nach dem bekannt werden der Vorwürfe eine Dienstanweisung herumgegangen sein soll, dass Männern ab sofort das Wickeln, die Begleitung des Toilettengangs und das Umkleiden der Kinder untersagt sei. Wer schon einmal Einblick in den Tagesbetrieb einer KITA hatte, der weiß, dass damit fast jede Handlungsgrundlage des Berufes entzogen wurde. Die Stadt könnte Anstelle dieser Anweisung – sollte sie denn so getätigt worden sein – auch alle Erzieher freistellen. Natürlich völlig ohne jede Grundlage, denn nicht jeder Mann hat ein Interesse daran ein Kind zu missbrauchen.

Sicherheitsmaßnahmen sollen eingeführt werden.

So gab es bei Radio Emscher Lippe ein Interview mit dem Erzieher und Koordinator von „Kitas brauchen Männer“, David Westerwich, das schwammiger und schlechter nicht hätte sein können. So ist bei REL zu lesen: „Für die Einstellung von Erziehern gelten schon besondere Regeln wie beispielsweise die persönliche Vorstellung bei Eltern und Kindern, so David Westerwich von der Aktion „Kitas brauchen Männer“. Jetzt habe die Stadt die Regeln verschärf[sic!]:“ Müssen sich Erzieherinnen nicht den Eltern vorstellen? Wie sehen die verschärften Regeln für Erzieher denn aus? Wie auch immer: Dümmer kann eine Einrichtung seine eigene Initative nicht zunichte machen.

Insofern die Verbote für Männer tatsächlich ausgesprochen wurden, muss dies Konsequenzen haben.  

Sollten die angeordneten Berufseinschränkungen für Männer tatsächlich so ausgesprochen worden sein, muss dies massive Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. Ein derart absolutistisch-diskrimienierendes Handeln hat in einer sozialen Einrichtung nichts zu suchen. Missbrauch ist durch nichts zu entschuldigen und muss sofort bestmöglich unterbunden werden. Ein gestörtes Männerbild, dass in jedem Erzieher einen Triebtäter vermutet, hat allerdings in der Führungsriege einer Kindertagesstätte eben so wenig zu suchen und sollte entfernt werden. Denn: Kitas brauchen Männer. Immernoch.


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4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

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