Eine Portion Mitleid

31 August 2010 von Dennis

Mein Gott was war das gestern Abend doch für ein Spektakel bei Beckmann in der ARD. Der Herr “Sachbuchautor” Sarrazin intendierte ohne wirklich groß Interesse an seinem eigenen Medienauftritt zu verspüren sein Buch “Deutschland schafft sich ab” zu promoten. Weil es aber, der politischen Korrektheit folgend, nicht ok wäre, ein solches Buch als unkritisierte Kaufempfehlung über den Sender zu jagen, hatte sich Beckmann Gäste eingeladen: SPD Politiker Olaf Scholz die Landesministerin Aygül Özkan, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast,  Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sowie der Sozialpädagoge und Streetworker Thomas Sonnenburg, sollten dem “Spalter der Nation” die Stirn bieten. Doch leider verpassten sie diese Chance zum Auftakt der Buchpromotion Sarrazins.

Die Sendung verkam zum langweiligen Geplänkel ohne richtigen Biss. Geschuldet war dieser Umstand vor allem der völligen Nicht-Telegenität  Sarrazins. Wie ein alter, unsicherer, getretener und in den Untertiteln um seinen Doktorgrad betrogener Mann, stotterte er und druckste er herum, statt in klarer Sprache auf die Fragen des künstlich auf aggro getrimmten Beckmann zu antworten. Sarrazin wirkte wie ein Opfer, weil die Redaktion eine unfaire Gesprächssituation herbeiführte. Sechs gegen einen ist unfair.

Folge war, dass sich wohl große Teile des Publikums bewusst und unbewusst mit Sarrazin solidarisierten. Ungeachtet der Unfassbarkeit seiner Äußerungen. Eine journalistische Glanzleistung des sonst nur schwer erträglichen Beckmann. Die einzig wirklich konstruktiven Redebeiträge des Abends lieferte Ranga Yogeshwar, der die Thesen Sarrazins für das Publikum nachvollziehbar in einen gehaltvollen wissenschaftlichen Kontext stellte und mit der Freundlichkeit einer Flugbegleiterin verdeutlichte, dass Sarrazin eigentlich Unsinn verbreitet.

Sarrazin selbst hat sich, vergegenwärtigt man sich seiner gesellschaftspolitischen Position in Deutschland, bis auf die Knochen blamiert. Aber er hat gleichermaßen deutlich gemacht, dass es ihn einen Scheiss interessiert. Sarrazin geht es, davon bin ich persönlich überzeugt, um den Profit. Geradezu nervös reagierte er nämlich, als ihn Streetworker Sonnenburg aufforderte einen Teil des Bucherlöses zu spenden. Sarrazin braucht in Deutschland wirklich niemand. Und dennoch ist er gleich morgen wieder bei Plasberg und stellt sich dem Kreuzverhör. Warum er sich das antut? Weil Geld nicht stinkt und selbiges leichter vor dem Abgang ohnehin nicht mehr zu verdienen ist.

Wer sich das Geplänkel in der ARD noch einmal antun möchte, der kann das hier tun.



1 Kommentare

  1. ebook leser sagt:

    Wie man im Spiegel lesen kann, ist das Buch von Sarrazin nicht nur verkaufsmässig ein Hammer, sondern es fördert auch Parteieintritte von islamfeindlichen Parteien. Vielleicht denken jetzt mal die Kritiker nach, wem sie mit ihrem Aufschrei eigentlich helfen. Den Verkaufszahlen des Buches und den islamfeindlichen Parteien. Manchmal, und das betrifft jetzt nicht nur Sarrazin, sondern auch die Kritiker, ist Schweigen besser als Reden.

1 Trackbacks

  1. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone Says:

    [...] Sarrazin: Eine Portion Mitleid….Gelsenkirchen Blog [...]

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