Ein Schritt vor und zwei zurück – Urheberrecht und Universität

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Während der letzten 13 Jahre hat sich einiges getan im nordrhein-westfälischen Hochschulwesen. Vom europäisch-knisternden Reformationsgedanken der Bachelor-Master-Umformung über die Studienkonten für Langzeitstudenten von Rot-Grün und die anschließenden allgemeinen Hochschulgebühren dank CDU und FDP haben nicht zuletzt die Studenten einige Umschwünge mitmachen müssen.

Besonders die 500€ Zwangsabgabe, die durch die „christlich-liberale“ Länderpolitik zu entrichten war, sorgte immerhin dafür, dass jeder noch so schäbige, undichte oder Asbest-belastete Raum an der Ruhr-Universität Bochum einen Beamer bekam. Die zeitgemäße Abdeckung mit WLAN hat man bis heute verpasst, so dass man vermeintlich auf niedersächsischen Kartoffeläckern schneller mobile Daten empfangen kann. Davon, dass so mancher Professor die an seine Studenten gestellten Anforderungen in Sachen Bedienung „neuer Medien“ selbst nicht ansatzweise erfüllt, mal ganz zu schweigen…

Zunehmend wichtiger wurden in dieser Zeit aber auch immer die beiden dominierenden Online-Plattformen der RUB, die das Lernen und/oder den Austausch erleichtern sollten und dies auch taten. Wieviel Geld durch die Studiengebühren in Moodle und Blackboard geflossen sind, kann ich nicht sagen. Ob der Schlichtheit besagter Plattformen bleibt aber zu hoffen, dass der Betrag keiner Rede wert sein möge – ansonsten hätte man sowas auch in den lehrenden IT-Bereichen der RUB kostenlos und lizenzfrei reproduzieren können.
Diese Online-Plattformen haben dabei sowohl für Lehrende als auch Studierende Vorteile. Der Lehrende kann neben der Erstellung von Prüfungen – vorab oder final – zum Beispiel auch die zu diskutierenden Texte des Seminars online einstellen und allen Kursteilnehmern so einfach und zentral verfügbar machen. Für die Studierenden ist es so bequem, sich die Texte herunterzuladen und ggf. auszudrucken. Der Weg zur Uni – nicht selten 90 Minuten oder länger pro Strecke – bleibt dann erspart.

Kurz nach der Jahrtausendwende sah die Sache noch anders aus. Damals galt es schon als Service am Studierenden, wenn man in der Institutsbibliothek einen Ordner mit den Seminartexten hinterlegte. Diese Texte konnte man sich dann abholen, kopieren gehen und wieder abgeben; ein Exemplar für zig Studierende. Immerhin musste man sich nicht das eigentliche Buch oder die oft noch schwieriger auffindbare Zeitschrift suchen… Natürlich wäre ein entsprechender Rückschritt möglich; aber wäre er auch wirklich akzeptabel?
Was das Urheberrecht und seine alsbald auch für für die Universitäten aktualisierte Realisierung bedeutet, lässt sich leicht erahnen: prüfungsrelevante Texte werden sich auch so verteilen, nicht unmittelbar gegengecheckte Texte werden weitaus weniger gelesen. Diskutierende und damit wirklich lehrende Seminare werden torpediert, wie die gesamte Bildungs- und Informationsgesellschaft. Mit der ab dem 1.1.2017 eintretenden Neuerung, die längst an die Lehrenden der Universitäten mahnend weitergegeben wurde, wird die Forschung und Lehre in Deutschland signifikant gebremst!

Das Verfahren wurde im Wintersemester 2014/15 an der Universität Osnabrück getestet. Ergebnis: Viele Dozenten scheuten den bürokratischen Aufwand und kehrten entweder zu analogen Semesterapparaten zurück oder aber überließen die Literaturrecherche gleich ganz den Studierenden.

Nein, die Möglichkeit, Texte online für das Seminar verfügbar zu machen, hatte auf Seiten der Lehrenden wie Studierenden nur Vorteile. Die einsetzende allgemeine Digitalisierung befeuerte dies noch: statt zum Ausdruck auf Papier griff der eine oder andere alsbald zum digitalen Reader – und mittlerweile ist sowas sogar in der vermeintlich papierbehafteten Germanistik zu sehen.

Selbstverständlich kann man auch hier abermals die Selbstverantwortung der Studierenden und wohl auch der Lehrenden anmahnen. Und sicherlich hat auch das Urheberrecht sein berechtigtes Dasein. Aber der Glaube, dass ab dem 1.1.2017 ob der Neuerungen auch nur ein einziges fachwissenschaftliches Buch mehr verkauft werden könnte, wird sich dann in den langen Schlangen vor den Uni-Kopierern zerschlagen und vielleicht sogar in den Abbrecherquoten widerspiegeln.

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3 Kommentare zu “Ein Schritt vor und zwei zurück – Urheberrecht und Universität”

  1. Rüdiger Wruck
    13. Dezember 2016 at 09:27 #

    Das darf doch nicht wahr sein! Dort bin ich geboren und werde zur Zeit erfolgreich an einem Fersensporn behandelt. Ich drücke dem Krankenhaus bzw. dem Personal die Daumen, dass es sich noch abwenden läßt. R. Wruck aus Essen

  2. Konrad
    13. Dezember 2016 at 10:30 #

    Die Schließung wäre mehr als traurig. Habe das KH seitdem eine Arbeitskollegin dort liebevoll an Brustkrebs behandelt wurde in Erinnerung. Hoffe das Blatt lässt sich noch wenden !

  3. Sabine
    14. Dezember 2016 at 15:58 #

    Bitte startet eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung !!!
    Die Geriatrie ist sooo wichtig für unsere Stadt ! Auch die Arbeitsplätze dürfen wir nicht verlieren !! Die Gynaekologie musste schon weichen und jetzt das !!!
    Unglaublich !!!Überall fehlen Gelder, es rentiert sich nicht, ich kann es nicht mehr hören!

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