Es ist soweit! Endlich rollt der Ball wieder und so möchte ich heute mit dem beginnen, was in Zukunft hier zur Regelmäßigkeit werden soll: das aktuelle Spiel der Schalker in der Bundesliga etwas unter die Lupe nehmen und außerdem noch über die Dinge reden, die im Schalker Umfeld derzeit im Gange sind.
Aber zunächst mal zum Spiel in Hamburg. Irgendwie habe ich ja schon geahnt, dass das nichts wird. Nicht umsonst habe ich ja bereits mehrfach bemerkt, dass die Abwehr nach Magaths Verkaufsattacke nur noch ein Trümmerhaufen ist und leider hat sie das in Hamburg auch wieder bewiesen. Bei beiden Toren des hervorragenden van Nistelrooy war weder die Innen- noch die Außenverteidigung auch nur annähernd auf der Höhe. Matip und Uchida zeigten gegen Elia und Zé Roberto einfach deutlich, dass sie noch am Anfang ihrer Karrieren stehen, und die Innenverteidung schien noch nie etwas davon gehört zu haben, dass van Nistelrooy ein gefährlicher Torjäger ist. Gerade Metzelder hätte das wissen müssen, da er ja einige Jahre mit ihm zusammen in Madrid gespielt hat. Stattdessen ließ man dem Stürmerstar des HSV bei beiden Gegentreffern viel zu viel Luft zum Atmen und so ist es kaum verwunderlich, dass man in Hamburg mit 1:2 den Kürzeren zog. Dass ausgerechnet Höwedes es dann auch noch fertig brachte, mit einer gelb-roten Karte vom Platz zu fliegen, ist natürlich höchst ärgerlich.
Ebenso ärgerlich war es für den HSV wahrscheinlich, dass man die ganze Nummer gegen zehn Schalker nicht deutlich sicherer nach Hause bringen konnte. Dass es kein Debakel gab, verdanken die Schalker zum einen ihrem Torwart Manuel Neuer, der auch in Hamburg wieder einmal zeigte, warum er derzeit die Nummer 1 in Deutschland ist, und etliche Chancen der Hamburger wirkungslos verpuffen lies. Hinzu kam der erneut glänzend aufgelegte Jefferson Farfan, der nach einem Freistoß von Rakitic mit einer wahrhaft artistischen Einlage zum zwischenzeitlichen 1:1 einnetzte und auf Schalker Seite erneut neben Neuer der beste Mann auf dem Platz war.
Der neue designierte Superstar Raul dagegen konnte überhaupt keine Akzente setzen und wurde bereits in der 63. Minute ausgewechselt. Und damit sind wir dann auch schon bei den derzeitigen Problemen der Schalker angekommen, an denen auch der einst als Heilbringer bejubelte Felix Magath nicht ganz unschuldig ist.
Sich mit den Fans anzulegen und dann auch noch in einem Interview wie ein patziges Kleinkind zu sagen „Wer mich verpflichtet, der weiß was er bekommt“, ist schon eine wirklich eher fragwürdige Vorgehensweise, wenn man noch im letzten Jahr propagiert hat, dass Mannschaft und Fans endlich wieder zusammenrücken müssen, um Erfolg zu haben. Man könnte genauso sagen: „Wer zum FC Schalke 04 wechselt, der weiß, was ihn erwartet“. Und das ist ein emotionales Umfeld in einem Verein, der seit jeher von Tradition geprägt ist, und in dem gerade die Fans eigentlich auch immer eine wichtige Rolle gespielt haben. Magath mag wissen, was er tut, aber ich persönlich finde es gut, dass nicht alles kommentarlos geschluckt wird, was der Heilbringer durchsetzen möchte.
Ich will damit nicht sagen, dass alles schlecht ist, was Magath bisher getan hat, aber auch er macht seine Fehler. Klar, die Verpflichtung von Raul war eine Sensation, aber sie kam spät, weshalb man nun noch nicht eingespielt ist. Genauso wurde es versäumt, rechtzeitig einen Spielmacher zu verpflichten, der Raul in Szene setzen kann. Man versteifte sich scheinbar auf Misimovic, der nun, da der Diego-Deal geplatzt ist, eben doch in Wolfsburg bleiben muss.
Im Gespräch ist nun mit Julio Baptista, der gefühlt hundertste Kandidat für den vakanten Posten des Spielmachers. Auch er wäre sicherlich ein passender Mann, da er bereits mit Raul zusammen bei Madrid spielte, aber er müsste sich ebenso erst einmal einspielen, wenn er denn überhaupt verpflichtet wird und nicht genauso ein Gerücht bleibt, wie vor ihm Diego, Misimovic, Affelay und ben Arfa.
Man kann sagen, was man will: Felix Magath hat es schlichtweg verschlafen, rechtzeitig eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, anstatt aus dem, was da war, etwas zu machen, was ja auch im letzten Jahr wunderbar funktionierte. Statt einen guten Transfer mit dem vorhandenen Geld zu machen, hielt sich Magath damit auf, einen Streit mit dem Vorstand vom Zaun zu brechen und sich gute 25 Millionen Transferkapital zu erstreiten, aus denen er jetzt inzwischen gute 35 Millionen gemacht hat, nachdem er Rafinha und Westermann verkaufte. Ausgeben wurde davon bisher fast nichts.
Und selbst wenn jetzt noch zwei gute Spieler verpflichtet werden, so ist dies meiner Meinung nach zu spät, um noch in der Hinrunde einen wirklichen Effekt zu haben. Und bis zur Winterpause könnte Schalke schon aus dem Rennen sein, was die Bundesliga angeht. Hinzu kommt, dass laut Magath auch nur noch Offensivkräfte verpflichtet werden sollen. In meinen Augen ein großes Wagnis, wenn man sich anschaut, wie die Abwehr derzeit agiert. Ein Rafinha hätte sich höchstwahrscheinlich nicht zweimal so düpieren lassen, wie es die jungen Matip und Uchida taten, da sie einfach noch nicht über die Erfahrung verfügen, um gegen Spieler wie Elija oder Zè Roberto zu bestehen. Und auch Marcelo Bordon wäre van Nistelrooy wahrscheinlich deutlich enger auf die Pelle gerückt, als es Metzelder in Hamburg getan hat.
Ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt und wie es dann gegen Hannover aussieht. Ein leichtes Spiel wird das sicherlich nicht, konnten die 96er doch gestern ihren Negativtrend durchbrechen und Frankfurt mit 2:1 besiegen. Hoffen wir einfach mal, dass mich die Schalker Lügen strafen und es ab der nächsten Woche wieder bergauf geht! Meine Zweifel bleiben bis dahin aber dennoch bestehen.
Foto unter CC-Lizenz von sh-tom


