Doha ist nicht gleich Doha

Winterpause in der Bundesliga. Die Vereine sind inzwischen aus den Wintertrainingslagern zurück und bis es wieder losgeht mit der Rückrunde hat die Presse scheinbar Langeweile, weil ja nach den Trainingslagern erst einmal nichts mehr passiert.

Winterpause in der Bundesliga. Die Vereine sind inzwischen aus den Wintertrainingslagern zurück und bis es wieder losgeht mit der Rückrunde hat die Presse scheinbar Langeweile, weil ja nach den Trainingslagern erst einmal nichts mehr passiert.

Diesen Eindruck erweckt die WAZ zumindest mit ihrem Kommentar von heute, der den FC Schalke 04, ob seines Aufenthaltes in Doha, öffentlich an den Pranger stellt. Der Verein müsse hier viel sensibler sein und nicht in ein Land fahren, in dem Menschenrechtsverletzungen zur Tagesordnung zählen. So weit so richtig und auch absolut nachvollziehbar. Was bei mir den Hals schwellen lässt ist die Einseitigkeit und das Hetzen gegen Schalke, die diesem Kommentar der WAZ zu Grunde liegen.

Betrachtet man die Situation einmal genauer, so wird sehr schnell klar, was hier das Motiv war. Nicht etwa das Anprangern von Missständen in Ländern wie Katar, sondern schlichtweg das Füllen der noch leeren Schalke-Bash-Lücke in der Tagesausgabe der Zeitung. Warum ich das so sehe? Ganz simpel!

In direkter Nachbarschaft zu Schalke residierte auch Deutschlands Aushängeschild des Fußballs, der oft in den Himmel gejubelte FC Bayern München in Doha, Eintracht Frankfurt gastierte in Abu Dhabi und etliche andere Bundesligavereine zog es nach Belek in die Türkei. Betrachtet man einmal die politische Lage in der Welt, wird schnell klar, dass auch an diesen Orten lange nicht alles herrlich und vergoldet ist. Schlimm ist es aber laut der WAZ scheinbar nur bei Schalke. Die anderen Vereine werden nicht einmal in einer Randnotiz erwähnt.

Zu so etwas kann ich nur sagen: Sechs! Setzen! Wer versucht mit politisch sensiblen Themen Klicks zu erzeugen, um scheinbar gezielt gegen einen einzelnen Verein zu hetzen, der letztlich nur einer von vielen ist, sollte einmal seine Grundsätze hinterfragen, zumal das Grundthema der Menschenrechtsverletzungen durchaus wichtig wäre und ernsthaft diskutiert werden sollte.

Auch Bemerkungen einiger Leser, die die Kritiker des WAZ-Artikels angriffen, weil sie ja schließlich nicht sagen könnten „Die anderen sind auch alle böse“ gehen für mich in die falsche Richtung. Es ist sicherlich richtig, die Thematik bewusst zu machen und eine Diskussion darüber anzustoßen. Dies sollte aber objektiv und unter Berücksichtigung ALLER Gegebenheiten passieren und nicht ein Exempel an einem einzelnen Verein statuieren! Immerhin findet aktuell die Handball WM in Katar statt und 2022 wird dort die Fußball-WM ausgetragen. Warum ruft eigentlich niemand nach einem Boykott dieser Veranstaltungen durch die deutschen Nationalmannschaften?

Bild unter CC Linzenz von Joi Ito
(https://www.flickr.com/photos/joi/4630292769)

 

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