Die Sicherheitslücke im Hagemannshof

20 January 2013 von Dennis

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Eigentlich sollte die Renovierung der Vorzeigesiedlung “Hagemannshof” der GGW für mehr Energieeffizienz, Lebensqualität und ein höheres Sicherheitsgefühl bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sorgen. Ersteres konnte, so ist zu konstatieren, bei der vollständigen Isolierung der Häuser und Einwechselung von neuen Fenstern und Türen durchaus gelingen. Auch die Lebensqualität innerhalb der Siedlung konnte wesentlich verbessert werden. Ein schöneres, frischeres und zeitgemäßes Design der Häuser sowie die Annehmlichkeiten von einem eigenen Winterdienst, der die Bewohner von der Schneeräumpflicht entbindet, zahlen sich – besonders in diesen Tagen – für die Familien und Senioren, die vornehmlich in der Siedlung beheimatet sind, aus. Auch der vermeindlichen Sicherheit wurde im Zuge der Renovierungen weitgehend Rechnung getragen. Die Paterrewohnungen wurden mit Rollläden ausgestattet und alle Wohnungen wurden mit einer Türsprechanlange versehen.

Wenn Komfort zur massiven Sicherheitslücke wird.

verschluesselungssperre

Während die Türsprechanlage in ihrer Funktionalität eher umständlich bis unbrauchbar ist und auch die gesammte Klingelanlage nicht besonders wertig wirkt, verfügen zumindest die Haustüren über die moderne Möglichkeit der Verschlusssperre. Damit ist gemeint, dass Türen, die ins Schloss fallen, nicht mehr verriegeln. Wer also gerade seine Einkäufe ins Haus schleppt, muss nicht immer wieder seine Haustür aufschließen, sondern öffnet sie bei eingeschalteter Verriegelungssperre mit sanftem Gegendruck. Vergisst ein Bewohner diese Sperre wieder zu deaktivieren, bleibt die Haustür allerdings geöffnet und jeder erhält ohne weiteres freien Zugang zum Hausflur. Optisch ist eine verschlossene Tür nicht von einer entriegelten zu erkennen. Dies ständig zu kontrollieren ist den Hausbewohnern nicht zumutbar. Die Komfortfunktion ist also eine Sicherheitslücke.

Verriegelungssperre war bei beiden Einbruchsfällen in Gebrauch.

Sowohl bei den Einbrüchen im November 2012 als auch bei dem Doppelwohnungseinbruch am 16. Januar 2013 spielte diese Türverriegelung eine Rolle. Bewohner bemerkten diese am Abend vor den Kellereinbrüchen, beachteten sie aber nicht weiter. Schließlich wussten die Bewohner nicht, ob die Veriegelungssperre von einem Bewohner aktiv genutzt wird oder nicht. Zu diesem Zeitpunkt war sie vermutlich schon von den Tätern in Gebrauch. Ähnliche Beobachtungen berichten Zeugen von den Wohnungseinbrüchen.

GGW offenbar unbeeindruckt.     

Die Gelsenkirchener Wohnungsbaugesellschaft GGW scheint von den Vorfällen derzeit noch unbeeindruckt zu sein. Ein Anwohner berichtete dass er die GGW schon nach den Kellereinbrüchen unmittelbar mit dem Vorschlag konfrontiert habe, die Funktion aus den Haustüren zu entfernen. Die GGW sah diese Dringlichkeit zu diesem Zeitpunkt, so der Anwohner, nicht. Mit dem zeitgleichen Einbruch in zwei Wohnungen ändert sich die Perspektive auf diese Türfunktion allerdings schon. Sie ist nachweislich untauglich für Häuser dieser Größe. Bleibt abzuwarten, welchen Einfluß die Geschädigten auf die Hausverwaltung nehmen.



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