Die Sicherheitslücke im Hagemannshof

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Eigentlich sollte die Renovierung der Vorzeigesiedlung „Hagemannshof“ der GGW für mehr Energieeffizienz, Lebensqualität und ein höheres Sicherheitsgefühl bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sorgen. Ersteres konnte, so ist zu konstatieren, bei der vollständigen Isolierung der Häuser und Einwechselung von neuen Fenstern und Türen durchaus gelingen. Auch die Lebensqualität innerhalb der Siedlung konnte wesentlich verbessert werden. Ein schöneres, frischeres und zeitgemäßes Design der Häuser sowie die Annehmlichkeiten von einem eigenen Winterdienst, der die Bewohner von der Schneeräumpflicht entbindet, zahlen sich – besonders in diesen Tagen – für die Familien und Senioren, die vornehmlich in der Siedlung beheimatet sind, aus. Auch der vermeindlichen Sicherheit wurde im Zuge der Renovierungen weitgehend Rechnung getragen. Die Paterrewohnungen wurden mit Rollläden ausgestattet und alle Wohnungen wurden mit einer Türsprechanlange versehen.

Wenn Komfort zur massiven Sicherheitslücke wird.

verschluesselungssperre

Während die Türsprechanlage in ihrer Funktionalität eher umständlich bis unbrauchbar ist und auch die gesammte Klingelanlage nicht besonders wertig wirkt, verfügen zumindest die Haustüren über die moderne Möglichkeit der Verschlusssperre. Damit ist gemeint, dass Türen, die ins Schloss fallen, nicht mehr verriegeln. Wer also gerade seine Einkäufe ins Haus schleppt, muss nicht immer wieder seine Haustür aufschließen, sondern öffnet sie bei eingeschalteter Verriegelungssperre mit sanftem Gegendruck. Vergisst ein Bewohner diese Sperre wieder zu deaktivieren, bleibt die Haustür allerdings geöffnet und jeder erhält ohne weiteres freien Zugang zum Hausflur. Optisch ist eine verschlossene Tür nicht von einer entriegelten zu erkennen. Dies ständig zu kontrollieren ist den Hausbewohnern nicht zumutbar. Die Komfortfunktion ist also eine Sicherheitslücke.

Verriegelungssperre war bei beiden Einbruchsfällen in Gebrauch.

Sowohl bei den Einbrüchen im November 2012 als auch bei dem Doppelwohnungseinbruch am 16. Januar 2013 spielte diese Türverriegelung eine Rolle. Bewohner bemerkten diese am Abend vor den Kellereinbrüchen, beachteten sie aber nicht weiter. Schließlich wussten die Bewohner nicht, ob die Veriegelungssperre von einem Bewohner aktiv genutzt wird oder nicht. Zu diesem Zeitpunkt war sie vermutlich schon von den Tätern in Gebrauch. Ähnliche Beobachtungen berichten Zeugen von den Wohnungseinbrüchen.

GGW offenbar unbeeindruckt.     

Die Gelsenkirchener Wohnungsbaugesellschaft GGW scheint von den Vorfällen derzeit noch unbeeindruckt zu sein. Ein Anwohner berichtete dass er die GGW schon nach den Kellereinbrüchen unmittelbar mit dem Vorschlag konfrontiert habe, die Funktion aus den Haustüren zu entfernen. Die GGW sah diese Dringlichkeit zu diesem Zeitpunkt, so der Anwohner, nicht. Mit dem zeitgleichen Einbruch in zwei Wohnungen ändert sich die Perspektive auf diese Türfunktion allerdings schon. Sie ist nachweislich untauglich für Häuser dieser Größe. Bleibt abzuwarten, welchen Einfluß die Geschädigten auf die Hausverwaltung nehmen.


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4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

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