Die kaputte Vormunds-Elite

Alfons Wissmann und Thomas Frings, Leiter und Stellvertretung des Gelsenkirchener Jugendamts, wurden ein paar Stunden nach dem öffentlichen Bekanntwerden der skandalösen Vorwürfe durch den Chef der Verwaltung, Frank Baranowski, von ihren Aufgaben freigestellt. Damit ist der Fall aber nicht erledigt, sondern der Skandal eröffnet.

Alfons Wissmann und Thomas Frings, Leiter und Stellvertretung des Gelsenkirchener Jugendamts, wurden ein paar Stunden nach dem öffentlichen Bekanntwerden der skandalösen Vorwürfe durch den Chef der Verwaltung, Frank Baranowski, von ihren Aufgaben freigestellt. Damit ist der Fall aber nicht erledigt, sondern der Skandal eröffnet.

 

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Schon jetzt ist von einem Totalschaden für das Jugendamt und allen assoziierten Institutionen auszugehen.

Auch die Stadtverwaltung ist in ihrer Glaubwürdigkeit schwer angeschlagen, obwohl die erste Amtshandlung des Oberbürgermeisters bereits die richtige war. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, doch das, was bereits jetzt über das Jugendamt Gelsenkirchen bekannt geworden ist, ist ausreichend, um ein Fazit darüber zu ziehen, im welchem Ausmaß der moralische Kompass einiger hochrangiger Beamter außer Kontrolle geraten ist.

Jugendämter verfügen in den Kommunen über hochsensible und moralisch anspruchsvolle Entscheidungskompetenzen und Zuweisungsfunktionen, die dem Wohle von Kindern und Jugendlichen dienlich sein sollen.

Im Zweifel entscheiden Jugendämter über den Verbleib von Kindern in Problemfamilien und deren spätere Unterbringung. Nicht selten sind diese Amtshandlungen der letzte Rettungsanker für die hilflosesten Mitglieder der Gesellschaft: Kinder. Eine horrende Verantwortung, die zweifelsohne hohe Sorgfalt und charakterliche Eignung auf der Seite der amtlichen Entscheider voraussetzt. Wie hoch diese Sorgfalt und in welchem Maße die charakterliche Eignung ausgeprägt ist, konnte der aufmerksame Bürger am Auftritt des Dorstener Jugendamtsleiter, Dietmar Gayk, ermessen.

In Dorsten sieht man sich von „Monitor“ unzureichend zitiert und wohl falsch verstanden. Fazit: Alles bleibt beim Alten.

Mit süffisantem Lachen verdeutlichte der Dorstener Amtsmann, dass er den Maßnahmenträgern blind vertrauen müsse. „Eine andere Möglichkeit gäbe es nicht“, referierte Gayk seine Vorstellung von Sorgfalt. Letztlich gäbe es Verträge und man gehe davon aus, dass sich beide Seiten daran auch halten, erklärte er singemäß. Der Fernsehzuschauer konnte bei dem Monitor Interview den Eindruck gewinnen, als erkenne Gayk die Brisanz des Vorfalles nicht einmal an.

Dieser Eindruck korreliert übrigens mit der Presseerklärung der Stadt Dorsten, die nichts weiter ist, als eine Verunglimpfung der Situation. Bei einem Vorfall, der meiner persönlichen Empfindung nach nichts anderes ist als organisierter, gewerbsmäßiger Betrug, eine derartig pervertierte Presseerklärung  zu veröffentlichen, ist vor dem Hintergrund des Fernsehbeitrages erbärmlich und zeigt auf, dass offenbar nicht einmal mehr ein Unrechtsbewusstsein beim Chef der Verwaltung in Dorsten vorhanden ist.

In Dorsten, das zeigt die Pressemeldung deutlich, bleibt wahrscheinlich alles wie es ist. Abzuwarten, ob der Bürger das mitmacht.

Der schlimmste und tiefgreifendste öffentliche Skandal in der Amtszeit Frank Baranowskis.

Aber auch in Gelsenkirchen liegt weiterhin einiges im Argen. In den Gestaltungsatzungen der Städte – ganz besonders in Gelsenkirchen – ist es ein ganz natürlicher Vorgang, jeden Blumentopf, Gehweg-Stopper und Werbebanner entlang seiner ästhetischen Eignung für die Gesamtstadt vorzuschreiben und regelmäßig zu überprüfen.

Bei Nichteinhaltung der Vorschriften drohen empfindliche Strafen. Wie kann es im gleichen Verwaltungsbetrieb also dazu kommen, dass ein hochrangig angestellter Jugendamtsleiter gemeinsam mit seinem Stellvertreter ein privates Kinderheim in Ungarn gründet, um dort „intensivpädagogische Maßnahmen“ durchzuführen, um letztlich – so der schwerwiegende Vorwurf – mit Kindern Kasse zu machen? Laut Pressemeldung der Stadt Gelsenkirchen zum Jugendamtsskandal wurde die Jugendamtsleitung angemahnt, diese Tätigkeit zu unterlassen, was formell wohl auch geschehen sei. Faktisch aber sollen die Geschäfte der „Neustart kft“ von Ehefrau und Bruder der Beschuldigten weitergeführt worden sein. Ist dies die Sorgfalt, die einem solch sensiblen Amt gebührt?  Die Verwaltung will danach nichts Auffälliges mehr bemerkt haben:

Beide Dienstkräfte haben bereits kurz nach Gründung der ungarischen Gesellschaft auf kritische Nachfrage der Stadtverwaltung hin versichert, dass sie von der beantragten Nebentätigkeit Abstand nehmen. Bis zur Recherche von Monitor lagen der Stadt Gelsenkirchen keine Anhaltspunkte für eine Nichteinhaltung dieser Zusicherung vor (vgl.Pressemeldung , 30.4.2015).

Das Interview von Dr. Manfred Beck im „Monitor“-Bericht diesbezüglich ist desaströs. So hält dieser analog dazu fest:

„[…] wir wollen gar nicht in die detaillierte, rechtliche Prüfung gehen, sondern wir gehen davon aus, dass dieses Verhältnis schnellstmöglich eingestellt wird. Das ist geschehen.“

Und so lief der Heimbetrieb in Ungarn laut Monitor ganze vier Jahre(!) weiter, ohne dass sich die Stadt Gelsenkirchen dafür interessiert hätte. Wieder – ebenfalls gänzlich ohne Polemik: Vier Jahre lang stellen Sie in Gelsenkirchen keinen Werbestopper unangemeldet ohne ein Bußgeld zu erhalten auf die Bahnhofstraße. Ein hinkender Vergleich? Mitnichten! Vielmehr ein trauriger. Denn: Genauso offensichtlich, wie der pinke Werbestopper mitten auf der Bahnhofstraße, war doch die inzwischen offenbar gewordene Tätigkeit von Wissmann und Frings gegenüber der Stadt. Warum um alles in der Welt macht ein leitender Beamte in Ungarn ein Kinderheim auf? Und warum überhaupt in Ungarn? Möglichweise gab es bei der Stadt Entscheider, die das billigten, denen es egal war, was dort geschieht. Oder es gibt dort Amtspersonen, die möglicherweise davon profitiert haben. Die Mitteilung von Wissmann, dass er sich nicht  am Heim in Ungarn bereichert habe, habe ich zur Kenntnis genommen, aber ich persönlich habe für mich begründete Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Aussage. Mit der „Richtigstellung“ des St. Josef Kinderheimes in Gelsenkirchen, geht es mir ähnlich. Warum hat das St. Josef Heim den Journalisten von Monitor kein Interview gegeben? Auch Wissmann und Frings kommen in dem Beitrag nur passiv vor. Wurden Sie nicht gefragt, oder sind sie für ein Interview schlicht zu schüchtern?

Aus dem Dunstkreis der Mitarbeiter hört man, dass beide zum Zeitpunkt der Ausstrahlung offenbar krank geschrieben waren. Wer nichts zu verbergen hat, der muss sich doch auch nicht verstecken. Wissmanns erweiterte Nachbarschaft lästert inzwischen ebenfalls gehässig.  Wissmann sei stolzerer Porschefahrer und habe sein Haus in guter Wohnlage immer wieder aufwändig renoviert. „Jetzt wissen wir ja woher das kommt!“, schüttelt ein Anwohner den Kopf. Ob der Anwohner die Wahrheit spricht oder nur neidisch ist, weiß ich nicht. Sicher aber ist, dass über den „Buschfunk“ so ziemlich alles ans Licht kommt.  Außer in der Gelsenkirchener Verwaltung.

Hier ist Frank Baranowski jetzt in akuter Erklärungsnot, weil er sich mindestens vier Jahre lang von seinen kaputten Vormunds-Eliten hat verarschen lassen. Die mutmaßlichen Köpfe mag er abgeschlagen haben, aber der Sog des Sumpfs ist brandgefährlich, weil gänzlich unabschätzbar. Gelsenkirchens Kampagne „Kein Kind zurücklassen“ ist zerstört und mit ihr die Arbeit hunderter Sozialarbeiter und echter Pädagogen, die sich weder ein Haus in bester Wohnlage, noch jemals einen Porsche werden leisten können.

Und wo wir doch gerade die Moralkeule schwingen:   Mit noch keiner Silbe sind in diesem Text die Heimkinder erwähnt.

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3 Kommentare zu “Die kaputte Vormunds-Elite”

  1. Paul Sieracki
    4. Mai 2015 at 13:59 #

    Sehr guter Bericht.

    Was hier nicht vergessen werden darf, ist nicht nur einen Porsche hat der tolle Hr. Wissmann. Sondern er sorgt sich auch immer gut um seine Familie. Den Sein Patenkind hat eine Stelle als Leiter einer Tageseinrichtung bei GeKita bekommen. Und die moralischen Werte von Hr. Wissmann kann man auch daran erkennen, dass er…..[Kommentar editiert, Gelsenkirchen Blog]
    Wen stört es da schon, dass mal ein Kind im Ausland landet um Geld in Wissmanns Geldbörse zu bringen.

  2. Friedhelm
    4. Mai 2015 at 20:49 #

    Auf den Punkt gebracht. Zustimmungswürdiger Kommentar, in Anbetracht der Brisanz des Falles. Die Frage, die sich stellt ist allerdings wie Monitor auf diese Spur kam. Die Sache an sich auffliegen zu lassen ist das eine, gleichzeitig aber noch die Belegungszahlen von St. Josef auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, klingt nach einem hohen Organisationsgrad der Veräter.

  3. A. Marks
    17. Mai 2015 at 12:25 #

    Daran, dass ein Jugendamtsleiter in Ungarn eine intensivpädagogische Einrichtung eröffnet kann ich nichts schlimmes erkennen. Es ist auch nicht strafbar. Und warum in Ungarn? Weil intensivpädagogische Maßnahmen oft im Ausland oder auf dem platten Land durchgeführt werden.
    Im übrigen hätte der Leiter lediglich gegen das Nebenbeschäftigungsverbot verstoßen (belastende Email), zum Stellvertreter ist hierzu nichts bekannt.
    Bekannt sollte auch sein, dass Monitor eine Woche lang vor dem Jugendamt abhing, um die Mitarbeiter abzufangen, um das Bildmaterial dann auch noch in ihre ohnehin schlecht recherchierte Sendung zu verwursten.
    @ Dennis: Wer nichts zu verbergen hat muss sich auch nicht verstecken? Gewagte These. Ich dachte auch du bist für die Unschuldsvermutung. Bis dato ist nichts bekannt geworden, was die Darstellung der Monitor Sendung rechtfertigt. Was ich erkenne ist eine Hexenjagd und Hysterie. Vielleicht fragt mal einer, warum der Imageschaden der Stadt erfolgt ist? Ich sehe hier erst mal nur dreiste Reporter auf der Suche nach geilen Schlagzeilen. Vielleicht sollte der OB sich mal fragen, was er in Richtung Monitor mal klären und hinterfragen sollte. Da sich ja alle so weit aus dem Fenster gelehnt haben, muss die Schlagzeile jetzt stimmen, es gibt kein zurück mehr.

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