Die Blitzbirnen im Innenministerium

09 February 2012 von Dennis

In Deutschland ist es gerade kalt. Sehr kalt. Das Einzige was die Infrastruktur bei dieser Kälte vor dem Zusammenbrechen bewahrt, ist die trockene Luft. Und so sehr froh der Pendler ist, dass er in der allmorgendlichen Rush-Hour nicht viel zu spät kommt, so fröhlich hat sich Innenminister Ralf Jäger eine neue Verkehrssicherheitsstrategie ausgedacht, um den Weg zur Arbeit, Sport und zur Party sicherer zu gestalten. Damit diese Grundsatzidee auch jeder versteht, folgt sie dem profanen Prinzip: “Viel hilft viel”.

Politisch korrektes Massenabzocken ?

Nun umschreibt der Begriff “Strategie” ja im Kern eine oftmals längerfristig angelegte Teleologie, die nicht unbedingt kompliziert, wohl aber komplexer angelegt sein muss, um erfolgreich zu sein. Ralf Jäger (SPD) – im Übrigen studierter Erziehungswissenschaftler – hingegen ist in der Lage, sein Ziel und den Weg dorthin in bestimmt weniger als 30 Sekunden zu erläutern. Erkenntnis: Die Unfallzahlen in NRW sind gestiegen. Ziel: Veringerung der Unfallzahlen. Lösung: Maximalstmöglich viel Blitzen.

Das ist einfach. Boris Becker würde sagen: “Bin ich schon belichtet, oder was?” Alles ganz easy. Weil Jäger aber Politiker ist und dazu sicherlich auch noch ganz korrekt, garniert er dieses Vorhaben mit politischer Korrektheit. Die Polizei blitzt jetzt nicht mehr einfach nur aus dem Hinterhalt, sondern sie blitzt  jetzt aus dem Hinterhalt mit Ankündigung. Wo und wann die Polizei blitzt, kann man aktuell im Internet nachlesen. Von Abzocke kann man nicht sprechen, weil das Blitzen ist ja angekündigt.

Eine am schwarzen Brett angekündigte unangekündigte Klassenarbeit sozusagen. Mit fragwürdigem pädagogischen Nutzen. Gleichbleibenden Lernerfolg kann man wohl nur dann valide messen, wenn der Zeitpunkt der Messung zuvor nicht ankündigt wurde. Schließlich hat man es mit lernenden Individuen zu tun, die sich situationskonform Verhalten und zukünftig erwünschtes Verhalten dann zeigen, wenn sie darüber informiert würden, dass die Messung stattfindet. In der Sache ist also ein genau diametrales Ergebnis zu erwarten. Eigentlich. Natürlich weiß man im Ministerium aber auch, dass kein Bürger täglich im Internet nachschaut, um zu überprüfen, ob Blitzer auf der aktuellen Strecke zu erwarten sind. Und so lässt sich auch die Hintertür des politisch Korrekten nicht aufrechterhalten, der Beigeschmack der Abzocke bleibt erhalten.

Morgen ist Blitzerfreitag. Auch in Gelsenkirchen. 

Die Kommunikation dieser Maßnahme ist ebenfalls wenig zielorientiert. Geradezu wie ein “gesellschaftliches Event” wird der morgige “Blitzerfreitag” angekündigt. Jäger liefert politisch mit dieser Aktion eine große Angriffsfläche in Richtung SPD und Landesregierung. Zum Glück (oder leider?) ist die Opposition zu doof eine griffige Argumentation aufzubauen. So sorgt sich die NRW-CDU ernstaft um das Wohl der Polizisten, die bei dieser kälte Blitzen müssen. In der Sache ist der Vorgang lustig, wenn er nicht gleichzeitig so traurig dabei wäre.

Wo wird am Freitag in Gelsenkirchen geblitzt?

Natürlich macht auch die Gelsenkirchener Polizei keine Ausnahme. Befehl ist schließlich Befehl.  Hier müssen Sie morgen und Samstag also besonders vorsichtig fahren:

– Feldhauser Straße, Scholven
– Grillostraße, Schalke
– Kärntener Ring, Horst
– Willy-Brandt-Allee, Erle
– Sellmannsbachstraße, Bismarck
– Hans-Böckler-Allee, Feldmark
– Polsumer Straße, Hassel
– Wildenbruchstraße, Bulmke-Hüllen
– Adenauerallee, Erle
– Zeppelinallee, Altstadt
– Hochkampstraße, Bismarck
– Magdeburger Straße, Schalke

Quelle dieser Information ist eine neue Datenbank mit dem lautprechenden Titel: http://www.24h-blitz-marathon.de

Eine solche Aktion bringt nicht nur die Polizei als Amtsautoritäten in Diskredit, sondern skizziert auch sehr plakativ, wie die Politik sich selbst unglaubwürdig macht. Vorgeschobene Volkserziehung gänzlich ohne Mittel der Didaktik entlarvt sich selbst als brilliantes Businessmodel a la Kim DotCOM. Seine Prämisse ist nämlich einfach: “Ein Geschäftsmodell, das man nicht in 30 Sekunden erklären kann, ist ein beschissenes Geschäftsmodel” Und wie gesagt, 30 Sekunden reichen für Ralf Jäger vermutlich völlig, um klar zu machen,worum es geht. Viel Spass also beim Abkassieren.



1 Kommentare

  1. Volker S. sagt:

    Eins hat der Innenminister auf jeden FAll mit dieser Aktion erreicht. Man kennt jetzt seinen Namen. Einen weiteren Sinn konnte diese Aktion nicht haben. Die Polizisten haben sich den Hintern bei -5 Grad abgefroren und die Autofahrer haben sich kaputtgelacht. Am Freitag sind alle Strich 50km/h gefahren und ab Samstagmorgen haben sie wieder Gas gegeben. Was für ein Schwachsinn….

1 Trackbacks

  1. Hier blitzt die Polizei heute im Ruhrgebiet (24-Stunden-Blitz-Marathon der NRW-Polizei) » Pottblog Says:

    […] Quelle: gelsenclan.de […]

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