Christian Linder zum Wahlkampf Endspurt in Gelsenkirchen

Christian Linder zum Wahlkampf Endspurt in Gelsenkirchen
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Auf Einladung der FDP Gelsenkirchen bzw. Susanne Cichos besuchte ich am Samstag zum Abschluss des NRW-Wahlkampfes standesgemäß das Autohaus AHAG in Buer. In wirklich ansprechender Atmosphäre konnte man sich beim Einlass um 19.00 Uhr mit dem ein oder anderen Bekannten austauschen und politisch fachsimpeln.

Nach dem Einlass füllte sich das Autohaus über die Zeit bis zum Bersten. Nicht alle Gäste konnten noch einen Sitzplatz ergattern und mussten sich mit Stehtischen begnügen, was aber der guten Stimmung im Haus nicht abträglich erschien. Susanne Cichos ließ es sich nicht nehmen, jeden Gast persönlich zu begrüßen. Gegen 19.30 Uhr wies AHAG- Hausherr Pieper  darauf hin, dass aufgrund von Feuerschutzauflagen, die durch das Ordnungsamt auferlegt wurden, nicht alle Gäste im Gebäude bleiben dürften und eine gewisse Anzahl direkt in den Außenbereich wechseln müssen. Auch dies tat der Stimmung keinen Abbruch. Zum einen waren die Gäste so näher am Buffet und zum anderen wurde die erwartete Rede von Christian Lindner, der sich um knapp 15 Min. verspätete, auf Bildschirmen in den Außenbereich übertragen. In der Zwischenzeit bis zur Ankunft Lindners, der sich noch auf der Autobahn aus Marl befand, ergriff Marco Buschmann das Wort und würdigte die zu wählenden Susanne Cichos und Ralf Robert Hundt für die aus Parteisicht ausgesprochen erfolgreiche Arbeit vor Ort.

Die proppenvolle Ausstellungshalle des Autohauses nahm er als Indiz für die neue Anziehungskraft der FDP in Gelsenkirchen. Man rechne mit 500 Gästen, die, so ist grob zu schätzen, eventuell knapp erreicht wurden.  Auch Buschmann verwies auf die Anstrengungen, die es gekostet hat, die Veranstaltung in Gelsenkirchen auf die Beine zu stellen. Vor allem die Auflagen, die durch die Stadt Gelsenkirchen verordnet wurden betonte er ebenfalls und wertete sie als „Panikreaktion der Stadt“ darauf, dass sich etwas bei der FDP formiere. Buschmanns Monolog goutierten viele Anwesende mit Applaus, längst aber nicht alle.

Ein sichtlich erschöpfter Lindner begeisterte die Gäste der FDP Gelsenkirchen

Christian Linder im Pressegespräch

Christian Linder im Pressegespräch unmittelbar nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung.

 

Als Christian Linder dann das Veranstaltungsgebäude betrat und den Weg zur Bühne beschritt, gab es geradezu Standing Ovations für den Hoffnungsträger Nr.1 der Liberalen. Hoffnungsträger zu sein sieht man dem Rhetorikprofi inzwischen an. Der lange Wahlkampf hat Spuren hinterlassen, Linder wirkt dünn und erschöpft. Allerdings nur solange, bis er das Wort ergreift. In einer Brandrede für Europa, für Demokratie und gegen dunkle Mächte, die den Westen in seinen Grundwerten erschüttern wollen, riss er das Publikum mit. Inhaltlich war er damit allerdings durchaus auf Linie aller anderen demokratischen Parteien, nur vorgetragen wird es von Linder deutlich emotionaler. Seine Sprachgewalt ist bemerkens- und bewundernswert.

Linder zuzuhören macht Spaß und ist durchaus gehaltvoll. Er versteht es liberale Inhalte zu transportieren ohne dabei in Allgemeinplätze zu verfallen. Es fällt auf, dass die FDP als Wahlkampfthema „Bildung“ für sich besetzen möchte, dabei entlang des Wahlkampfes aber Inkonsistenzen und Widersprüchen anheimfällt.

„Der Meister muss so viel wert sein wie ein Master“

Der Claim  „Der Meister muss so viel wert sein wie ein Master“ entwertet formallogisch den Universitätsabschluss. Auch der „Inneren Sicherheit“ soll insofern auf die Sprünge geholfen werden, indem wieder Personal bei der Polizei eingestellt wird, das „nur“ über einen Realschulabschluss verfügt. Die Devise „Nicht jeder braucht das Abitur“  in diesem Zusammenhang ist nicht unsympathisch, entfremdet aber die Partei, die sich einst dem Leistungsethos verschrieb von sich selbst und verwirrt zudem programmatisch. Die Sympathie für formal geringere Bildungsabschlüsse bei gleichzeitiger Forderung nach einer Verbesserung der Bildungssituation ist unverständlich. Bemerkenswert: Im Verlaufe des gesamten Abends wurde mit keiner Silbe die größte humanitäre Flüchtlingskatastrophe des Jahrhunderts erwähnt. Diese Herkules-Aufgabe für NRW hätte aber erwähnt werden müssen, um möglicherweise eine stichhaltige Erklärung dafür zu finden, warum die eine oder andere Schule in NRW nicht mehr so ganz weiße Wände aufweist, wie es sich Linder und Cichos für NRW wünschen.

Überzeugendere Beispiele brachte Linder in Bezug auf den Bürokratieabbau, hier finden sich deutlich mehr Anknüpfungspunkte mit denen die Liberalen überzeugen können. Bildung und Soziales sind inhaltlich aus meiner persönlichen Sicht dünn, auch wenn es begrüßenswert ist, dass sich die FDP vom ruinösen Leistungsprinzip der Vergangenheit verabschiedet hat.

Die Veranstaltung im AHAG-Autohaus war für die FDP Gelsenkirchen eine gelungene Veranstaltung, die auch viele Nicht-FDP-Wähler und Bürger anzog, die sich über die Inhalte der Partei informieren wollten. Susanne Cichos und Ralf Robert Hundt machen einen sympathischen Eindruck, insbesondere bei Cichos ist auffällig, dass sie sich stets Zeit für Fragen aus der Bürgerschaft nimmt, erklärt, erläutert und zu überzeugen versucht ohne bekehren zu wollen. Das ist ein angenehmer Politikstil, den es nach meiner Auffassung in der FDP Gelsenkirchen so noch nicht gab. Es ist toll zu sehen, dass Demokraten ganz ohne krude Polemik und populistischen Impetus auch aus schlechteren Startpositionen wieder spürbar an Bindungskraft gewinnen.

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4 Kommentare zu “Christian Linder zum Wahlkampf Endspurt in Gelsenkirchen”

  1. Przechowski
    8. Mai 2017 at 10:57 #

    Gute Beschreibung des Abends und Analyse

  2. Chajm
    8. Mai 2017 at 15:02 #

    Witzig, dann haben wir uns ja theoretisch gesehen. Allerdings ist dieser Blog hier für mich derzeit »gesichtslos«…

    Aber zum Thema:
    Willst Du sagen, der üble Zustand der Schulen und die ausbleibenden Renovierungen seien eine Folge der Flüchtlinge in NRW? Falls das jemand behauptet haben sollte, wäre das ziemlich unredlich.

    So neu ist die Problematik ja nun nicht.
    NRW hat schon 2013 am wenigsten Geld pro Schüler ausgegeben (im Vergleich mit anderen Bundesländern) http://faktencheck-nrw.de/bildungsausgaben-steigen-lage-der-schulen-wird-schlechter/
    Die Gebäude zerfallen ja auch nicht von einem Jahr auf das andere.

  3. Dennis
    8. Mai 2017 at 22:14 #

    Hallo Chajm, schade hätte dich gern mal live getroffen! Schreiben ja hier schon seit vielen Jahren hin und her. Was meinst du mit gesichtslos? Im Kern geht’s mir auch mehr um die Inhalte denn um mich. Leider bin ich blogmäßig nicht mehr ganz so aktiv wie noch als Student, weshalb die Beiträge seltener sind.

    Zum Thema: Nein, das will ich nicht sagen. Ich finde einfach, dass derartige Mängel sachliche Gründe haben. Gerade im SPD Kontext ist Bildung eine politische Kernkompetenz und auch eines der zentralsten Anliegen. Ich finde, die SPD auf dieser Schiene angreifen zu wollen ist politstrategisch nicht sooooo klug. Es gibt so viele Bereiche, in denen die SPD wunde Punkte hätte, aber die bleiben unangesprochen. Im Kontext von Bildung und Sozialem kann die FDP nur verlieren. Blickpunkt: „Schulen als Zulieferinstitutionen für die Wirtschaft“ – Da fliegt dem Humboldt aber der Sargnagel durch die Decke.

  4. Chajm
    9. Mai 2017 at 12:19 #

    Gesichtlos: Damit meinte ich, dass es hier keine »Über mich« Seite gibt, die vielleicht auch ein Bild der Person preisgibt 😉

    In NRW haben wir die niedrigsten Ausgaben für Bildung »ever« und wenn man Kinder im schulfähigen Alter hat, von daher fand ich die Ausführungen von Frau Cichos zutreffend, merkt man schnell, dass es da gehöriges Optimierungspotential gibt. Massive Unterrichtsausfälle in allen Schulformen sind ja ein bekanntes Phänomen. Aber ich bin da »oldschool« und glaube, dass es, neben einer humanistischen Allgemeinbildung zur Menschwerdung, auch einer Bildung bedarf, die einen fit für die Welt da draußen macht und »Spaß« nicht Selbstzweck des Unterrichts ist.

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