Bochum stellt neues Logo vor.

Bochum schlägt gelungen ein neues Marketingkapitel auf. Die Grundkonzeption begeistert, die erste Kampagne allerdings bleibt weit unter ihren Möglichkeiten.

Bochum schlägt gelungen ein neues Marketingkapitel auf. Die Grundkonzeption begeistert, die erste Kampagne allerdings bleibt weit unter ihren Möglichkeiten.
(Foto: Bochum Marketing)

Im Bereich der Stadtwerbung herrscht im Ruhrgebiet seit Jahrzehnten tatsächlich geschäftliches Treiben. Allerdings geschieht dies weitgehend mit dem gleichen Erfolg, wie in den großen Metropolen Deutschlands: Es entstehen neue Logos. Im besten Fall.  Manchmal ergibt sich, wie aktuell in Dortmund, nur ein deskriptiver Claim, dessen schriftlich-typografische Notation auf den Publikationen der Stadtmedien das Logo ersetzen oder ergänzen soll. Das ist nicht neu, wie vor ein paar Jahren die Kampagnen „Bochum macht jung“ und „be Berlin“ zeigten und in dessen Fußstapfen nun auch die Stadt Dortmund mit  „Dortmund überrascht. Dich.“ tritt.

All das sind werbliche Würdigungen der jeweiligen Städte, aber alle haben einen alles entscheidenden Makel: Sie funktionieren, insofern sie nicht per se gänzlich überzeichnet sind („Bochum macht jung“) wenn überhaupt nur nach außen, weil sie nach innen kommunikativ nicht anschlussfähig sind. Das ist kein Fehler oder Versagen der Agenturen, sondern konstitutiv für das zu operationalisierende Konstrukt „Stadt“. Keine Stadt und keine Region auf der Welt lässt sich auf einen simplifizierten Slogan zusammenstauchen. Wenn Hamburg davon spricht das „Tor zur Welt“ zu sein, dann ist das ein Aspekt von vielen. Andere Städte haben auch schöne Häfen.

Kampagnen zur Stadtwerbung können deshalb nur dann sinnvoll und erfolgreich das Image einer Stadt korrigieren, wenn sie langfristig angelegt sind und die Stadt nicht in einer einzigen, sondern in vielen langfristig angelegten Kampagnen von innen nach außen immer wieder aufs neue interessant, relevant und überraschend präsentieren. Dazu allerdings benötigt man ein Grundkonzept und eine Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll. Und, um die Identität nicht zu verspielen, ist es fast noch wichtiger zu wissen, von WO die Reise startet.

Die Stadt Bochum weiß, wo sie hin möchte und sie weiß auch, woher sie kommt. 

Die Stadt Bochum legt ganz aktuell ihre Interpretation von Markenbildung für Städte vor und macht dabei vieles richtig. Ebenfalls sehr deutlich wird: Die Stadt hat aus der nicht so optimalen Bochum-macht-jung-Kampagne vor ein paar Jahren gelernt. Ein Netzwerk aus Agenturen hat nun richtige Ableitungen getroffen und sehr gute Grundlagenarbeit geleistet. Handwerklich, das muss man sagen, übertrifft die Arbeit die Kampagnen von Deutschlands Metropolen und dennoch empfindet der Laie es so, als sei bei all dem nicht mehr herausgekommen, als nur ein „Neues Logo“.  Das mag zutreffen, aber es ist ein Logo mit erheblichen Potential.

Definition des Markenkerns

Die Macher der Kampagne haben sich für die Stadt Bochum auf einen deskriptiven Markenkern geeinigt, der relative Anschlussfähigkeit zulässt: „Wissen – Wandel – Wir-Gefühl“. Diese Formel lässt sich nun in die jeweiligen Funktionssysteme der Stadt überführen und sie können jeweils für sich in verschiedensten Kampagnen operationalisiert werden. In der Summe bilden sie dann eine große Emergenz, die auf die „Dachmarke Bochum“ im Kern einzahlen. Selbstverständlich repräsentiert Bochum mehr als Wissen, Wandel und ein Wir-Gefühl und auch hier findet eine Verkürzung im Sinne des weiter oben Beschriebenen statt, jedoch ist die Gewichtung wohl überlegt und sehr zukunftsgewandt. Bochum, operationalisiert unter dem Aspekt des Wissens, ist: Universitätsstadt, Stadt der wissensintensiven Dienstleistungen, Empfehlung als Produktionsstandort mit hoher Fachkräftedichte etc. Auch museale Aspekte und Attraktionen, etwa die Sternwarte, lassen sich hierunter subsumieren. Operationalisiert unter dem Aspekt des Wandels, lässt sich Bochum, wie alle Ruhrgebietsstädte mit Themen des Strukturwandels assoziieren. Das Wir-Gefühl könnte multiperspektivisch als das Zusammenleben der Menschen in der Stadt mit all seinen Facetten operationalisiert werden.

Konzeption eines systematischen Logos

Denn Machern der Kampagne ist es gelungen, ein neues Logo zu gestalten, das traditionell an die Marke „Bochum“ anknüpft und sie zukunftsfähig aufstellt. So hält Silke Lörmann von der Agentur Oktober fest:

Wir leugnen die lange, wechselhafte Geschichte der Stadt nicht, ganz im Gegenteil. Ausgangspunkt unser Arbeit ist das tradierte Buch des Stadtwappens. Aber wir haben es so weiterentwickelt, dass es zum vielsagenden Symbol wird: Wir öffnen das Buch! Und schlagen damit ein neues Kapitel auf! Bochum ist bereit für die Zukunft.

[Quelle]

Ein Netzwerk der kreativen Elite Bochums

Der Logorelaunch ist eine Gemeinschaftsproduktion, was das Ganze noch bemerkenswerter macht. Wer den Agenturalltag kennt, der weiß, dass es mit der stringenten Koordination mehrerer Agenturen schon eine Herausforderung ist. Wenn dann noch drei Artdirektoren ins philosophieren geraten, werden aus runden Tischen schnell lange Bänke. An der Arbeit beteiligt sind die Agenturen COMKOM, Oktober, Büro Komplex, Gregor & Strozig, Anders&Agenten sowie das Designstudio Steinert .

Die Einführungsmotive entäuschen.

Einfühnungskampage des neuen Bochum Logos
Die Einführungskampagne zum neuen Markengesicht.  Foto: Bochum Marketing GmbH

Negativ ins Gewicht fallen die bisher gezeigten Kampagnen. In Anlehnung an die Texte von Herbert Grönemeyer soll hier offenbar das im Markenkern definierte „Wir-Gefühl“ angegangen werden. „Du Blume auf deiner Königsallee-Bochum. Von hier aus.“  empfinde ich persönlich als etwas flach, austauschbar und inhaltsleer. Auch alle anderen Kampagnen wirken wie deplatzierte Layoutvorlagen mit günstigen Stockfotos (Sonnenblumen im Januar ?). Aber die Kampagnen sind schließlich erst ein Anfang. Und wer die Arbeit in Agenturen kennt, der weiß ebenfalls, dass irgendwann die Zeit knapp wird. Egal wie sauber die Planung ist. Die Grundkonzeption ist gelungen. Der Imagefilm auch. Wenn die Akteure an der guten Arbeit festhalten, können sie Bochum damit deutschlandweit sehr gut positionieren.

Ich freue mich, dass die gute Arbeit aus meiner Studienstadt Bochum kommt. Bemerkenswert ist die Bochumer Agenturlandschaft, die durch diese Kampagne konzentriert sichtbar wird.  Gelohnt hat es sich bereits jetzt. Für Bochum. Und für die Agenturen.

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2 Kommentare zu “Bochum stellt neues Logo vor.”

  1. Franz Przechowski
    24. Januar 2015 at 17:17 #

    Hallo Dennis,
    Deine Ausführung ist zutreffend und gut geschrieben. Vielleicht ist das Ergebnis der Dortmunder Nachbarn etwas stärker zu würdigen gewesen. Ich bewerte den inhaltlichen wie auch visuellen Auftritt als beispeilhaft austauschbar. Was mich bei beiden Kampagnen grundsätzlich stört ist der Kardinalfehler in der DNA. Beide Städte spielen Solist und bekennen sich nicht als integriertes Teil eines großen Ganzens – dem Ruhrpott. So schreiben wir das Kirchturmdenken weiter fort.

  2. maxImum Risk
    24. Januar 2015 at 17:48 #

    Danke für die Erläuterungen zum Markenkern. Jetzt habe ich das erstmal verstanden was damit immer gemeint ist. ich finde das gut, muss aber auch sagen, das Gelsenkirchen sowas nicht machen muss. mir gefällt das Gelsenkirchener „G“ gut.

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