Aktuell diskutiert die Medienöffentlichkeit die geradezu unterirdische Gotteslästerung eines Schalkeliedes, das gefühlte 500 Jahre veröffentlicht ist und bisher offenbar auch noch niemanden wahrnehmbar in seiner Religiösität gekränkt hat. Nun allerdings, so berichtet die WAZ /DerWesten.de, hätten sich “streng gläubige Muslime” über das Lied beim Verein beschwert, weil das Lied dem Propheten Mohammed die Kompetenz des Fußballspielens abspricht. Und weil es Journalisten gibt, die sich minderwertig fühlen, wenn sie keinen “Experten” um eine Einschätzung bitten dürfen, gibt es auch - die Natur hat es so eingerichtet – sogenannte “Experten”, die sich minderwertig fühlen, wenn sie nicht mindestens einmal eine Experteneinschätzung abgeben dürfen. Wenn nun solche “Blattmacher” und solche “Experten” aufeinandertreffen, dann entsteht daraus meistens Content für das Sommerloch. So hat der Redakteur die Seite voll und der Experte wieder ein bisschen Reputation hinzugewonnen (WINWIN). Das ist durchaus legitim und auch nicht verwerflich. Schlimm ist es allerdings, wenn ein Medienkonzern wie die WAZ, unter Rückgriff auf einen - meines Erachtens - völlig unreflektierten Experten, ( Der zur Schande des Faches auch noch Islam und damit Sozialwissenschaftler ist ) einen buchstäblichen Fliegenschiss zur Volksverhetzung hochstilisiert, um die für beide Parteien so tolle Win – Win Situation herbeizuführen.
“Jochen Hippler, Islamwissenschaftler am Institut für Frieden und Entwicklung der Universität Duisburg-Essen, warnt davor, den Vorgang als Sommertheater zu unterschätzen. „Entscheidend ist nicht allein, wie die Zeile formuliert ist. Entscheidend ist, in welchen Kontext sie gestellt wird” (ebd.).
Richtig, drum liefert die WAZ nicht nur den Kontext sondern auch gleich eine künstliche Medienempörung hinzu. Entscheidend ist darüber hinaus schließlich, wieviel Aufmerksamkeit man diesem Fliegenschiss beimisst. Eine Headline wie:”Islamexperte warnt Schalke vor Eskalation” macht vielleicht ja sogar Auflage, beleidigt aber die Muslime aus meiner Sicht noch mehr als das Lied, um das es eigentlich geht. Ein Islamexperte, der wegen einer solchen Lächerlichkeit eine “Eskalation” heraufbeschwört und ein Medienkonzern der dies so unreflektiert kommuniziert, haben für meine Begriffe ein äußerst respektloses und negatives Bild vom Islam. Kein freiheitlich-demokratisch eingestellter Muslim, lässt sich durch eine solche Lächerlichkeit provozieren. Die Berichterstattung spricht den Muslimen darüber hinaus jede Form des Humors ab und stigmatisiert sie als eine Bevölkerungsgruppe, die pauschal ”sofort eskaliert”.
Meinetwegen kann die WAZ im Sommerloch weiter lustich über Polizeihunde schreiben oder Bäcker beim Brötchen backen begleiten, das Ansinnen, 46 Jahre alte Volkslieder zur Volksverhetzung hochzupeitschen, überschreitet für meine Begriffe die Grenze des Zumutbaren.


August 5th, 2009 at 10:17
Moin,
ich eskaliere gleich
Ich muss dir bei deinem Fazit voll und ganz zustimmen. Mittlerweile finde ich diese Duskussionen nur noch Grotesk…
Warum zieht hier eine Zeitung mit und konternt nicht einmal gegen so einen Unfug? Angst… wovor?
Gruß
August 8th, 2009 at 23:31
Ich finde es schade, dass wir immer wieder neue Probleme gegen ein gemeinsames Miteinander finden. Lass uns Eins sein mit unseren Mitbuerger/innen in Gelsenkirchen.
Lass uns nach vorne schauen und Kraft aus unsere kulturellen Vielfalt schoepfen.
Hans Werner
SCHALKER FAN
August 11th, 2009 at 12:55
Ich stimme sowohl dem Verfasser des Artikels als auch den beiden Kommentaren vollkommen zu, da ich ebenfalls der Meinung bin, dass hier die Mücke zum Elefanten gemacht wird.
Die besagte Stelle rührt wohl weniger daher, dass der Islam speziell beleidigt werden sollte, zumal zu Lebzeiten Mohammeds von Fußball noch keine Rede sein konnte, sondern vielmehr, dass es perfekt ins Reimschema dieser Strophe gepasst hat.
Daher ein herzliches Dankeschön an die Medien, die jetzt womöglich noch ein Verbot der besagten Strophe bewirken.