Bitte nicht in Gelsenkirchen!

Bitte nicht in Gelsenkirchen!

Eine Delegation aus Gelsenkirchen suchte gestern in Duisburg Best Practice Beispiele zur Durchführung der LP in Gelsenkirchen.

Das Ergebnis dürfte wohl feststehen. Ich jedenfalls lege mich an dieser Stelle fest und behaupte, dass die Loveparade in Gelsenkirchen 2011 nicht stattfinden wird. Wahrscheinlich wird sie nie mehr stattfinden, weil niemand die Verantwortung für eine mögliche zweite Katastrophe dieser Art übernehmen wird. Alle Überlegungen in diese Richtung sind angesichts dieser unfassbaren Tragödie nachvollziehbar. Im Falle der Duisburger Loveparade werden nun Köpfe auf Seiten der Verantwortlichen rollen. Zu aller erst seinen Hut nehmen sollte der unsägliche Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland. In Deutschland wir jeder Zahnstocher, Barhocker und von mir aus auch Vibrator von emsigen Prüfämtern in Gefahrenstufen und Klassen eingeteilt. In Duisburg findet auf einem Gelände, das eigentlich nur für 500000 Personen ausgelegt ist, eine Party mit über einer Million Menschen statt. Im Vorfeld wird öffentlich über den Tunnel als Zugang diskutiert und nach der Tragödie bei der 18 (!) Menschen ums Leben kamen, stellt sich ein Adolf Sauerland vor die Presse und spricht von einem „stichhaltigem Sicherheitskonzept“.

Das klingt vor dem Hintergrund der Opferzahlen und Schwerstverletzten nicht nur abscheulich, sondern macht auch sehr schön deutlich, dass Sauerland noch nicht realisiert hat, wie schlimm die Katastrophe tatsächlich ist. Für deutsche Sicherheitsstandarts eine unfassbare und kaum verständliche Tragödie.

Die objektiven Fakten sind erdrückend. 

Die objektiven Fakten sind schließlich erdrückend. Die Loveparade findet nicht zum ersten Mal statt, sondern ist bekannt dafür, ein Millionenpublikum anzuziehen, dass – ja, auch das ist Fakt, mehrheitlich unter dem Einfluss von Alkohol und Betäubungsmitteln steht, was schon eine akute Gefahrensituation ganz ohne Massenpanik darstellt. Das viel zu kleine Gelände in Duisburg tut das übrige dazu, um die Veranstaltung für die sonst so akribisch arbeitenden Sicherheitsbehörden als eigentlich undurchführbar erkennen zu lassen. Leider ist eine solche Erkenntnis nicht gekommen. Was Absperrzäune bei einer solchen Veranstaltung zu suchen haben, steht überdies ebenfalls noch als Frage im Raum.

Natürlich hat es niemand bei der Stadt Duisburg so gewollt, aber nachträglich von einem „stichhaltigem Sicherheitskonzept“ zu sprechen, ist eine Schändung der Todesopfer.

Die Loveparade an sich ist gefährlich, auch wenn das niemand hören will.

Meine Meinung zur Loveparade, wie sie schon damals in Berlin stattgefunden hat, war niemals eine positive. Die Idee hinter dem Fest mag eine gute und auch philanthropisch gut gemeinte sein, die Umsetzung war aus meiner Sicht stets das Tolerieren von Drogenkonsum, öffentlichem Geschechtsverkehr sowie das in Kauf nehmen von möglichen HIV-Attacken, wobei im Vorbeigehen wahllos mit infizierten Spritzen herumgestochen wurde. Auch schwerste Schlägereien und sonstige kriminelle Übergriffe wurden in der Vergangenheit aufgrund der niedrigen Fallzahl in Relation zu den Besuchern als marginal heruntergespielt.

Fakt ist: Gelsenkirchen braucht eine solche Veranstaltung nicht und sollte sich wirklich davor hüten, eine derart brandgefährliche Veranstaltung auszurichten. 18 Tote sind genug.

Nebenbei erfahre ich gerade, dass in einigen Discotheken die Aftershow Party’s zur Loveparade voll durchstarten. Der Delta Musikpark in Duisburg hat heute schließlich den Top Act David Guetta am Start. Ein Hinweiß, dass die Party- aus Respekt vor den vielen Toten – abgesagt wurde, findet sich zumindest auf der Homepage nicht. Schließlich gibt es ja immer etwas zu feiern. Und mit der Realität haben die kaputten Drugies ja sowieso nicht mehr viel zu tun. Bäh ! Dreckspartyvolk!       

(Foto: Screenshoot YouTUBE)

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12 Kommentare zu “Bitte nicht in Gelsenkirchen!”

  1. Mogy
    25. Juli 2010 at 01:59 #

    Ich würde mich hüten, die Loveparade aus deiner subjektiven Ansicht heraus zu denunzieren, nachdem du vorher dich auf das konkrete Ereignis und damit auf eine einheitliche Meinung begibst.

    Was geschehen ist, ist grauenhaft und all meine Anteilnahme gebührt Familie und Freunden der Opfer sowie den Leuten, die diese Grausamkeit mitansehen mussten. Von mir geht ein Dank an alle Sicherheitskräfte, Polizisten und Rettungsdienstler, ohne die sicherlich noch viel mehr eskaliert wäre.

    Aber die LP an sich lief immer friedlich ab – natürlich, schließlich startete das Projekt als politische Demonstration für den Frieden.
    Bei keiner LP gab es mehr als 100 Festnahmen, und fast alle davon hatten Drogenhandel als Ausgangsbasis, nicht etwa Gewalt.

    Deswegen muss! die Loveparade zurück nach Berlin – an einen Ort, wo sie geschätzt wird, wo genug Platz und Ausgänge vorhanden sind, wo sie einfach hingehört.
    Ich als Berlinerin würde mich freuen, ein Fest, das so von positiver Energie geleitet ist, wieder in meiner Stadt begrüßen zu dürfen.
    Ich war in den 90ern oftmals da und es ist nicht mein Ding – zu laut, zu müllig, zu viele Drogen. Aber ich find’s gut, dass es das gibt und hoffe, dass die Parade diesen schweren Schlag überleben wird.

    Und noch viel mehr hoffe ich, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

  2. Jens Matheuszik
    25. Juli 2010 at 14:58 #

    Die Party im Delta Music Park? War das nicht das Ereignis von Eins Live? Das sollte – auf Bitten der Behörden – nicht abgesagt werden.

  3. Scatterd
    25. Juli 2010 at 18:04 #

    Ja, die Rocker und Freunde Party im Delta wurde von 1Live veranstaltet. 1Live selbst wollte die Sache absagen, die Feuerwehr und sonstiger Katastrophenschutz hatte aber empfohlen, aus Angst vor einer weiteren Panik, die Party doch steigen zu lassen. Die Top-Acts wie David Guetta oder Fedde le Grand sind aber nicht aufgetreten.
    Das Geld für die Karte (sind immerhin ca. 30 Euro) kann man sich zurück erstatten lassen.

  4. Dennis
    25. Juli 2010 at 19:35 #

    @Jens Ich weiß nicht. Aber auch das Event von Einslive war eine Frechheit angesichts der Umstände. Die Argumente des Wellenchefs überzeugen mich nur mäßig bis gar nicht.
    http://www.einslive.de/musik/extras/loveparade/2010/statement_einslive.jsp

  5. AndreSt.
    25. Juli 2010 at 22:21 #

    Ich bin froh, daß die Loveparade in Gelsenkirchen nicht stattfindet. Eigentlich habe ich mich riesig darauf gefreut, wann hat man schon mal eine der größten und friedlichsten Partys der Welt in Gelsenkirchen.

    Aber nach den Bildern aus Duisburg muß ich nun sagen Loveparade in Gelsenkirchen – Nein Danke!

    Ich selbst wollte eigentlich auch dorthin, war aber dann doch nicht dort. schreckliche Vorstellung, daß man selbst unter den Todesopfern oder verletzten sein könnte. Schlimm genug wenn man sich durch so ein Gedränge „arbeiten“ muß. Teils ging es nicht vor und zurück.

    Selbst wenn Schalke hier ein Spiel hat, geht es ja schon drunter und drüber, insbesondere Richtung Brücke zur 302 bzw. zu den Parkplätzen. Da ist es teils genauso. Man kann nicht ausweichen und ist mitten im Gedränge.
    Da ist es auch teils ganz schlimm, weiß ich aus mehrfacher eigener Erfahrung.

    Auch hier sollte das Sicherheitskonzept bzw. der sichere Abfluß der „nur“ 61.000 Gäste überprüft werden.

    Zur Loveparade in Duisburg: Unter den 19 Todesopfern ist laut Fernsehen auch ein Opfer aus Gelsenkirchen dabei. Mehr Infos gibts aber noch nicht.

    Mein aufrichtiges Beileid und Mitgefühl gilt den freunden und Familien der Opfer, speziell der des Gelsenkirchener Opfers. Schrecklich, wenn man auf so eine Weise einen lieben Freund oder Familienmitglied verlieren muß.

    Warum das alles???

  6. Randolf
    26. Juli 2010 at 03:57 #

    „die Umsetzung war aus meiner Sicht stets das Tolerieren von Drogenkonsum, öffentlichem Geschechtsverkehr sowie das in Kauf nehmen von möglichen HIV-Attacken, wobei im Vorbeigehen wahllos mit infizierten Spritzen herumgestochen wurde. Auch schwerste Schlägereien und sonstige kriminelle Übergriffe wurden in der Vergangenheit aufgrund der niedrigen Fallzahl in Relation zu den Besuchern als marginal heruntergespielt.“
    Selten so einen Haufen gequirlte Scheiße gelesen. Hat der Schreiberling von Gelsenclan.de da gerade selbst extrem schlechten Shit geraucht?

  7. lulu
    26. Juli 2010 at 13:26 #

    Zum Glück findet die LP nicht mehr in GE statt!!!
    Wer war eigentlich mit der Organisation beauftragt? Etwa das Kompetente Team des Kultur2010 Büros?
    Es ist sicherlich extrem übertrieben das die LP von Drogenkonsum geprägt wurde, ich kenne einige Beuscher und keiner von denen würde je Drogen konsumieren! Ich kann mir aber vorstellen das einige unter den Besuchern gewesen sind, die etwas Konsumiert haben! Die Lösung mit dem Tunnel war das Problem, ich weiß nicht wie ich reagiert hätte, wäre ich von 1000 Menschen eingekesselt und könnte mich nicht bewegen! Jeder egal ob unter Drogen oder nicht hätte durchdrehen können, wobei die Drogen wahrscheinlich das unterstützten!
    Die Opfer waren aber ganz normale Menschen, junge Mädchen, ein Jurist…
    Ich kann dieses Unglück nicht fassen und kann nur froh sein das meinen Freunden und meine Familie nichts passiert ist!

    Die Angehörigen tun mir unwahrscheinlich Leid! Solch ein dummer Fehler hat Ihre Lieben aus Ihren Armen gerissen und nichts kann daran geändert werden!

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