Bildungsstreik?

Achja, heute war ja Bildungsstreik.  Die Medienberichte diesbezüglich lassen mich desöfteren erstaunen.  „Herr, lass Hirn vom Himmel fallen“ hört man mich da vor mir her sagen. Denn während man den Leistungsdruck, etwa von Bachelor und Master Studenten beklagt ( zuviel Stoff in zu kleiner Regelstudienzeit, Studiengebühren, überfüllte Uni’s, etc.), hinterfragt man gleichzeitig – und die Pressevertreter machen dazwischen noch nicht einmal eine kleine Sprechpause – die Eignung eben dieser Studenten auf dem Arbeitsmarkt.  „Noch immer…“, fabuliert so manche seriöse Publikation „… wissen viele deutsche Personalchefs nichts mit den neuen Abschlüssen anzufangen“.  Ich selbst frage mich in solchen Situationen immer, warum die Presse dann gerade die Eignung der B.A., M.A. Studenten hinterfragt. Denn eigentlich gehören doch die feinen Herren Personalchefs, die nach 10 Jahren noch immer nicht wissen, was ein Bachelor Abschluss oder gar ein Master Abschluss ist, in den Ruhestand oder in die Kurklinik.

Diese Reformabschlüsse sind die Reaktion auf die Erfordernisse der modernen „Wissensgesellschaft“.  Die Wirtschaft wollte  „frisches Wissen“ in einer „dynamisierten Gesellschaft“ schnell verfügbar haben. Ausbildungswege sollten größtmöglich gestraft  gestrafft werden. Abitur nach 12 Jahren, Bachelor nach 6 Semestern, Master nach 9 Semestern. Und: Es gibt nun diese schnellen Studenten, hochqualifiziert, prüfungsgeplagt hervorgegangen aus verschulten Studiengängen (Anders ist die Stoffmenge ja nicht zu integrieren).  Doof nur: Jetzt sind die Personalchefs von früher der Demenz verfallen: Wat ? B.A. ? Dat denn ? Kenn ich nich. Brauchen wa nich! Und hömma ! 6 Semester ? Da kannze doch nix können. Sechs Semester hab ich für meine erste Semesterarbeit gebraucht, wie sollen die in der Zeit n‘ Abschluss machen ?!

Und heute gingen die Schüler und Studenten nun also auf die Straße. Wofür oder wogegen die jetzt aber auf die Straße gehen, will mir nicht einleuchten. Ist der Leistungsdruck nun so hoch, dass man unter der Last des Anspruchs und des Zeitdrucks leidet oder protestieren die, weil die durch den Bachelor plötzlich voll blöd geworden sind oder gar blöd bleiben? Oder halten die sich an die Pressevertreter und beklagen beides gleichzeitig. Ich glaub, ich muss da mal nen Personalchef fragen, der sich mit sowas auskennt.

4 Kommentare zu “Bildungsstreik?”

  1. Dennis
    18. Juni 2009 at 10:11 #

    Also bei dem Domainnamen dreht sich mir, mit Blick auf den freundlichen Herren Lafontaine, der Magen um.

  2. S. Tschöpe
    18. Juni 2009 at 10:26 #

    Abgesehen von der Abschaffung des G8-Abis dreht sich mir bei den Forderungen der Schüler der Magen um. Die scheinen mir irgendwo zwischen nicht finanzierbarem Luxus (kleinere Klassen) und naiver Träumerei (Abschaffung des dreigliedrigen Systems) zu pendeln.

  3. Sebastian Watermeier
    18. Juni 2009 at 10:56 #

    Nur komisch, dass die meisten dieser Forderungen in europäischen Nachbarländern aber durchaus umgesetzt werden konnten und können. Gut möglich, dass man einem vernünftigen Bildungssystem in anderen Ländern, insbesondere in den skandinavischen Staaten, einfach mal einen höheren Stellenwert zumisst.
    Da kommt man übrigens auch wunderbar ohne Dreigliedrigkeit aus.

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