Auf Losglück folgt Heimpleite

Hätte das eine schöne Woche werden können: Losglück bei der Auslosung der Champions League Gruppen, noch weitere Neuzugänge und andere, die sich ankündigen, doch dann die Heimpleite gegen Hannover 96, einen designierten Abstiegskandidaten.

Aber der Reihe nach: Am Donnerstag verkündete Schalke etwas überraschend die Verpflichtung von Hans Sarpei. Der 34-jährige Außenverteidiger wechselte von Bayer Leverkusen zu Schalke 04. Manch einer mag sicherlich den Kopf geschüttelt haben, was Magath denn mit einem so alten Spieler will, aber ich denke, da wurde alles richtig gemacht. Sarpei bekommt einen Vertrag über zwei Jahre und hat eine gute WM für Ghana gespielt. Er bringt die nötige Erfahrung mit, um die Außenbahnen der Abwehr zu stärken und ermöglicht es Magath, Uchida und Escudero in den nächsten zwei Jahren an die Bundesliga heranzuführen.

Ebenfalls am Donnerstag fand dann die Auslosung der Champions League Gruppen statt und hier hatte Schalke enormes Glück. Im Topf waren unter anderem Vereine wie Real Madrid, Manchester United oder Barcelona. Bekommen hat Schalke Olympique Lyon, Benfica Lissabon und Hapoel Tel Aviv. Sicher nicht die leichtesten Aufgaben, aber normalerweise sollte es Schalke eigentlich möglich sein, diese Gruppe zu überstehen und in der Champions League zu überwintern.

Normalerweise deshalb, weil leider sportlich im Moment nichts normal ist. Die Auftaktniederlage gegen Hamburg konnte man vielleicht noch verschmerzen. Was aber dann am Wochenende bei der Heimpremiere passierte, lässt einen schon ins Grübeln kommen. Schalke zeigte eine völlig desolate Leistung gegen Hannover und verlor letztlich verdient mit 1:2. Der Abwehr fehlte es erneut an Abstimmung, woran auch Hans Sarpei noch nichts ändern konnte. Das war nach zwei Tagen auf Schalke allerdings auch kaum zu erwarten.

Das allerdings auch die Offensive vollkommen neben sich stand, ist schon erschreckend. Es gab nahezu keine kreativen Momente aus dem Mittelfeld, Raul war erneut fast gar nicht zu sehen und auch der zuletzt so starke Jefferson Farfan ging auf Tauchstation. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass Felix Magath davon wenig begeistert sein dürfte und dass es so nicht weitergehen kann. Somit dürfte den Schalkern die anstehende Länderspielpause ganz gelegen kommen, kann man diese doch nutzen, um einiges gerade zu biegen, was derzeit im Argen liegt.

Einen ersten Schritt hat Magath bereits mit der Verpflichtung des 24-jährigen Ciprian Deac getan. Der rumänische Nationalspieler kann im Mittelfeld sowohl auf den Flügeln als auch zentral spielen und soll für mehr Kreativität sorgen. Geholt wurde er laut Magath, nachdem klar war, dass ein Transfer von Misimovic nicht möglich ist.

Trotzdem brodelt die Gerüchteküche weiter heftig. Auch zwei große Namen sind noch im Spiel. Zum einen soll Klaas-Jan Huntelaar bereits am Wochenende auf der Tribüne gesessen haben und zum anderen wurde in dieser Woche bestätigt, dass Schalke ein Angebot für Rafael van der Vaart (Bild links) abgegeben hat. Der wurde bei Real Madrid aussortiert und ihm wurde ein Wechsel bereits durch den Trainer Jose Mourinho nahe gelegt. Ganz unwahrscheinlich sind also beide Transfers nicht und ich denke, dass Magath damit sicherlich eine Offensive beisammen hätte, die dann endlich auch Raul die Möglichkeit bieten würde, am Spiel der Schalker wirklich teilzunehmen und Tore zu schießen.

Man darf also gespannt sein, was bis Dienstagabend und damit bis zum Auslaufen des aktuellen Transferfensters noch passiert. Felix Magath jedenfalls wird in den nächsten zwei Wochen allerhand zu tun haben, damit es nicht die dritte Pleite gibt, denn dann würde sicherlich auch der Stuhl des „Heilbringers“ langsam aber sicher anfangen zu wackeln. Dazu gehört zum einen, die nötigen Transfers noch zum Abschluss zu bringen, und zum anderen, die Mannschaft endlich richtig einzuspielen und Offensive und Defensive dazu zu bringen, endlich ihre Leistung abzurufen.

Gerade in der Abwehr steht aber auch noch eine andere Baustelle an, die ich persönlich nicht ganz nachvollziehen kann. Natürlich galt Christoph Metzelder als Ur-Dortmunder. Natürlich hat einigen so genannten wahren Schalke Fans seine Verpflichtung nicht gefallen. Aber mal ganz ehrlich: Was haben wir denn alle davon, wenn Metzelder im eigenen Stadion gnadenlos ausgepfiffen und damit so verunsichert wird, dass die Abwehr, der es eh schon an Stabilität fehlt, noch löchriger wird. Liebe Schalker: Man kann sich auch selbst ins Knie schießen, weil man einfach zu sehr auf die Rivalität mit Dortmund eingeschossen ist. Man sollte mal bedenken, dass sich dann am Ende eben die Dortmunder ins Fäustchen lachen. Wie wäre es also, wenn Metzelder mal so angenommen würde wie Andreas Möller damals und man ihn unterstützt, anstatt ihm zu zeigen, dass er hier scheinbar nicht erwünscht ist?

Fotos unter CC-Lizenz:

Hintergrund (Filipe Fortes)

Champions League Pokal (Wikipedia)

Schalke-Logo (Christian Greller)

Rafael van der Vaart (Tsutomu Takasu)

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Ein Kommentar zu “Auf Losglück folgt Heimpleite”

  1. Jörg
    30. August 2010 at 08:21 #

    Schalkes Strategie ist wie die Entscheidung eines Formel1-Teams absofort mit Diesel zu starten. Ohne Abwehr kein Wettbewerb. Das müsste auch Magath verstehen. Man sagt ihm ja nach, etwas von Fußball zu verstehen.

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