Alternative für Doofe

Zum Untergang der Partei der „Glücklich Besitzenden“ und der schlechtesten politischen Alternative für Deutschland.

Im meiner  Master Thesis an der Ruhr Uni prognostizierte ich schon 2009 latent den Untergang der FDP. Wohlgemerkt: Den Untergang der Partei, nicht den Untergang des (Neo-)Liberalismus. Ich schrieb über den Begriff der Elite und kam nach langen (z.T. nervigen )Nächten der sozialhistorischen Analyse zu dem Ergebnis, dass alle Eliten die heute existieren oder als solche definiert werden, nur Eliten auf Zeit sein können. Der Rang des Experten ist solange gültig, bis sein Wissen überholt ist oder durch Wikis von jedem Ort und auf jedem Gerät abrufbar ist. Die Geldelite ist solange Elite, wie sie Geld besitzt und die Machtelite bleibt solange Elite, wie sie Macht hat.

 FDP-Wähler bleiben solange Wähler, solange die Partei Erfolg hat.

Das identitätsstiftendes Merkmal des Liberalismus ist – neben Freiheit – Leistung. Leistung in dessen Konsequenz sich Erfolg einstellen muss. Jede andere Leistung ist nur Anstrengung und das ist Arbeit. Und Arbeit hat mit Elite nicht viel zu tun. Zumindest nicht im klassisch soziologischen Verständnis. Es gibt schließlich Leistungseliten, Herkunftseliten, Geldeliten und Machteliten. Arbeitseliten gibt es nicht. Bei der FDP hat sich der Misserfolg eingestellt und jeder Versuch diesen Misserfolg zu revidieren, wirkt auf die erfolgreichen Mitglieder nun wie Anstrengung. Die Politikverdrossenheit und das – in vielen Teilen zu Unrecht – schlechte Image, stellt das Erfolgsprimat der Partei in Frage. FDP-Wähler und auch Mitglieder lassen sich aber – schon der Ideologie wegen – ungern in Frage stellen. Die FDP war die Partei für erfolgreiche Mittelständler, die sich vom sozialdemokratischen Wirtschaften eher bedroht denn behütet fühlten. Sie war die Partei für erfolgreiche Rechtsanwälte, Ärzte und – wie böse Zungen behaupten – Hoteliers. Ich war mal auf einer Veranstaltung von Jürgen Möllemann und Guido Westerwelle, ich muss da 15 oder 16 gewesen sein. In ihren Reden animierten sie die erfolgreichen mittelständigen Unternehmer und ihre Rolex tragenden Söhne zum Applaus durch die oft wiederholte These, dass für die, die Leistung bringen, am Ende des Monats mehr im Geldbeutel sein muss. Ich fand die These toll. Aber noch frei von jeder akademischen Bildung, fiel mir auf, dass beide in ihrer Rede nicht sagten, was sie genau mit Leistung meinen. Ein Bauarbeiter, der morgens ab 5.00Uhr bis abends um 18.30Uhr bei klirrender Kälte und im Sommer bei glühender Hitze körperlich arbeitet, dem kann man ohne zu zweifeln ein hohes Leistungsethos unterstellen. Irgendwie waren diese Menschen aber ausdrücklich nicht die politische Zielgruppe. Das wurde deutlich mit jeder weiteren These. Und an Bauarbeitern im Publikum kann ich mich auch nicht erinnern. So richtig wohl fühlte ich mich nicht. Aber eben auch nicht unwohl. Über Politik lässt sich bekanntermaßen streiten. Interessante – erfolgreiche – Persönlichkeiten traf ich in den Reihen schließlich auch.

Die FDP stirbt am eigenen Ethos.

Heute, rund 15 Jahre danach ist die FDP entzaubert, ihr Ruf als Partei der „Glücklich Besitzenden“ ruiniert. Die Partei stirbt am eigenen Ethos. Niemand ist offenbar bereit für eine Schieflage einzustehen oder diese gar durchzustehen. Das wäre Anstrengung. Die aktuellen Wahlergebnisse wirken wie eine Flucht aus der Partei, die sich ideologisch kaum verändert hat. Wer die FDP noch wählt, der wird am Wahlabend mit Misserfolgserlebnissen bestraft. Und auf der Seite des Misserfolgs stehen erfolgreiche Menschen – auch politisch – nur ungern. Die Partei spürt am eigenen Leib, was ihr ideologisch schon immer vorzuwerfen war: Wer nur auf Erfolg und Leistung setzt, der steht nicht zwingend auf Solidarität für die weniger Erfolgreichen.

Ich hätte, wegen genau dieser Eigenschaften nicht gedacht, dass ich der Partei einmal nachtrauern werde. Aber Die FDP ist und war eine freiheitlich Demokratische – echte -Alternative für die Wähler in Deutschland. Zukunftsgewandt, leistungsorientiert (*hust*) mit einer historisch wie ideologisch nachvollziehbaren Parteibewusstsein. Heute ist an diese Stelle eine Partei ewig gestriger getreten, die schon von Beginn an ein schlechteres Image hat, als es die FDP sich es jemals hätte zulegen können. Die AfD ist für mich persönlich eine Alternative nur für Doofe. Nicht Fisch nicht Fleisch, konzeptionslos aber bei den Wahlen hoch erfolgreich.

Vielleicht fällt dem intellektuellen Überbau der FDP nun auf, dass im sozialen Raum viele Parameter mehr existieren, als nur der Erfolg. Wenn das begriffen ist, kann auch ein Neuanfang gelingen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber es ist mir lieber, wenn sich zwei FDP-Politiker auf dem Golfplatz über Steuervergünstigungen unterhalten, die sie ohnehin nicht realisieren, als wenn zwei AfD-Politiker den Abgesang Europas beschwören und eine Horde gehirnamputierter (eigendlich) Nichtwähler den Begriff „Alternative“ wörtlich nehmen und nun doch zur Urne rennen. Kurzum: Die FDP muss wiederkommen, damit derartige „Underperformer“ (um im Jargon zu bleiben) in Deutschland nichts zu sagen haben.

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