Martin E.P. Seligman ist ein amerikanischer Psychologe, der vor allem auf dem Gebiet der “erlernten Hilflosigkeit” forscht, bzw. sich in diesem Teilbereich der (Lern-) Psychologie einen Namen machen konnte. Hintergrund der “erlernten Hilflosigkeit” ist die Vorstellung, das Unfähigkeit und Hilflosigkeit (passives Verhalten in einer Problemsituation) erlernt werden kann. Menschen, die einmal gerlernt haben “hilflos” zu sein, werden es – ohne entsprechende Therapie - meistens immer bleiben. Leider ist dieses micropsychologische Modell nicht ohne Probleme auf Organisationen zu übertragen. Ansonsten hätte ich heute einen Patienten in der Lokalpresse entdeckt. Die SMG meldet sich zum Weihnachtsmarkt 2008 in Gelsenkirchen zu Wort. Es ist eine Rechtfertigung, warum der Weihnachtsmarkt 2008 auch wieder nichts werden kann, wobei diese Rechtfertigung nicht neu ist:
Die Markthändler kommen nicht, wenn sie keinen Umsatz machen können. (vgl.WAZ. 29.Oktober)
Weiter im Zeitungstext stellt die SMG fest, dass das unbestritten dürftige Angebot in Gelsenkirchen auf die Kaufkraft in Gelsenkirchen zurückzuführen sei und die Händler einfach nicht auf ihren Umsatz kämen (ebd.) Darüber hinaus zitiert die SMG einen Holzschnitzer aus dem Siebengebirge, der seine Absage mit “Ich will hier nicht bloß Deko sein” begründet. Die Situation wird von der Organisation – also externen Attributen -plausibilisiert. ( WIR sind voll Kraft und Zauber und wenn die Schnitzer nicht wollen, sind die ja schuld, dass hier keine Bude steht).
Die Ursache, warum die Händler so reagieren, führt die SMG wieder auf ein Attribut ausserhalb ihres systemischen Wirkungskreises zurück: Es ist die magelnde Kaufkraft in Gelsenkirchen. Diese Zuschreibung lässt sich jedoch nur schwer plausibilisieren, steht doch die Stadt Oberhausen oder etwa Dortmund (mit funktionierenden Weihnachtsmärkten) wirtschaftsstatistisch nicht signifikant besser da. Es macht daher den Eindruck, als stehe die SMG völlig hilflos ihrem zentralen Einsatzbereich gegenüber: STADTmarketing. Ein Weihnachtsmarkt, der über die Grenzen der Stadt bekannt und beliebt ist, der benötigt kein ausgedehntes Marketing. Ein Produkt, dass sich von selbst verkauft, auch nicht. Oder haben wir schon einmal eine Imagekampage für Brötchen gesehen? Es ist also die Aufgabe des Stadtmarketings, den Weihnachtsmarkt positiv zu thematisieren und über die Stadt hinaus Anreize zu schaffen, Gelsenkirchen zu besuchen. Dazu benötigt Gelsenkirchen aber ein Angebot. Das ist wiederum nur durch Zugeständnisse zu erreichen. Vielleicht erlässt man in diesem Jahr die Standmiete als Standortwerbung für das nächste Jahr oder integriert am Umsatz orientierte Vergütungsmodelle. Was ist mit der angedachten Idee, die Zoom Erlebniswelt zu integrieren ? Das wäre z.B. ein gelungenes Productplacement. Was ist mit Frequenzwerbung, wie bei der Ausstellung “Götter Geister und Dämonen”?
Aber nein, das ist alles undenkbar. Stattdessen mutet es mir persönlich so an als repliziert die SMG öffentlich die ebenso öffentliche Meinung über Gelsenkirchen, um damit das Versagen des Weihnachtsmarktes im dritten Jahr in Folge zu plausibilisieren. Gelsenkirchen ist arm, hat nichts zu bieten und deshalb kommt auch kein Händler. Können wir leider nix machen. Lösungen werden nicht thematisiert (Die angedachte Eislaufläche ist keine Lösung) nur externale Ursachen.
Seligman würde, bezogen auf eine Person, diagnostizieren: Der Patient ist unfähig. Er hat es gelernt hilflos zu sein, weil er im Zuge mislungener Leistungsperformanz das externale Urteil über sein Versagen internalisiert hat. Die Aussicht auf Erfolg aus eigener Leistung ist nicht gegeben, weil externe Faktoren einen Erfolg verhindern. Warum also soll sich der Patient anstrengen? Er hat es gelernt hilflos und unfähig zu sein. Und ohne entsprechende Therapie, wird der Patient immer hilflos bleiben.