In Bezug auf den in der Türkei inhaftierten siebzehnjährigen Jungen, der ein erst 13 jähriges Mädchen sexuell belästigt/vergewaltigt haben soll, stellen sich einige Fragen, z.B:
- Was hat ein 13 jähriges Mädchen in einem fremden Bett, mit einem fremden Jungen zu suchen ? Nach deutschem Recht gibt es soetwas wie eine Aufsichtspflicht. Meine 13 jährige Tochter wäre in diese Situation, dass sie neben einem Fremden einschläft, gar nicht erst gekommen, ,
- Wie kommt ein 13 jähriges Mädchen nachts in der Türkei überhaupt in eine Disko, wenn sie so jung aussieht ?
- Ist ein 13 jähriges Mädchen zwangsläufig ein schutzbedürftiges, unreflektiertes Kind oder muss die geistig / körperliche Entwicklung berücksichtigt werden ?
- Kann Marco als ein erwachsener, reflektiert handelnder, seine sexuelle Befriedigung kalkulierender Triebtäter dargestellt werden oder erscheint er eher wie ein normaler Jugendlicher in der Pubertät, auf der Suche nach ersten Erfahrungen ?
- Ist Marco nicht vielleicht selbst noch ein Kind ?
- Warum zerstören die Medien die Identität dieses Jungen?
- Warum bauschen die deutschen / türkischen Behörden exakt diesen Fall, der mit Sicherheit hundertfach genau so passiert , dermaßen auf ?
- Warum spricht man von “schwerer sexueller Misshandlung” ?
Das sind Fragen, die mir nach der ausgiebigen Lektüre der Presse zu diesem Fall durch den Kopf schwieren. Ich habe nach wie vor das subjektive Gefühl, dass Marco wegen eines -aus meiner Sicht- minderschweren Vergehens ( wenn überhaupt?) wie ein politischer Häftling oder Spion stilisiert wird. Das ist nicht ok und das mache ich der Türkei (Justiz/Politik) zum Vorwurf. Darüber hinaus ist nicht klar, wie die Haftbedingungen sind.
Was die Zugehörigkeit der Türkei zur EU im Zusammenhang mit diesem Fall betrifft, meine ich, dass es ein äußerst ungünstiges Signal der Türkei in Richtung des Beitritts ist. Dieser Zirkus provoziert gewisse Gruppen, die jetzt daran ihre Vorurteile zu rechtfertigen versuchen. CDU/CSU Politiker machen da auch gern mal den Anfang. Dennoch bin ich vollkommen ideologiefrei der Meinung, dass die Türkei, unabhängig von diesem Fall, noch einigen Nachholbedarf im Hinblick auf Menschenrechte aufzuholen hat, um der EU beitreten zu können. Das heißt nicht, dass es nicht eine unglaubliche Bereicherung der EU wäre, wenn die Türken beitreten. Die Türkei hat eine unglaublich interessante Kultur, die durch einen Beitritt sicherlich noch von vielen weiteren Menschen entdeckt werden würde. Ich finde es ein bisschen schade, dass es alles jetzt so gekommen ist. Hatice Akyün (Westropolis), die ich wegen ihrer Texte sehr schätze, verdirbt mit ihrer beabsichtigten Übertreibung
Da gibt ein deutscher Jugendlicher seiner 13-Jährigen Urlaubsbekanntschaft einen harmlosen Kuss, und der böse, islamistische Türke steckt ihn dafür in seinen Folter-Knast [...] (Quelle)
ihre sonst sehr treffende Argumentation. Denn: Nicht jeder, der die Türkei als Staat oder Justiz kritisiert, ist gleich ein Islam-Hasser oder steht diesem kritisch gegenüber. Angesprochen wurden sehr wohl kulturell unterschiedliche Auslegungen dieses Vorfalls und die lassen sich, meiner Meinung nach, kaum wegreden. Es macht wenig Sinn, Vorurteile (Die Türkei handle aufgrund islamistischer Gesetzgebung) durch Vorurteile (Die Presse instumentalisiert den Islamismus, um der Türkei zu schaden) zu kritisieren. Die konservative Stimmungsmache gegen die Türkei fällt mir ja auch auf, aber von Islamismus war nie, auch nicht im Ansatz die Rede.

