Archiv | June, 2007

Knast fürs Knutschen?

Posted on 28 June 2007 by Dennis

In Bezug auf den in der Türkei inhaftierten siebzehnjährigen Jungen, der ein erst 13 jähriges Mädchen sexuell belästigt/vergewaltigt haben soll, stellen sich einige Fragen, z.B:

  • Was hat ein 13 jähriges Mädchen in einem fremden Bett, mit einem fremden Jungen zu suchen ? Nach deutschem Recht gibt es soetwas wie eine Aufsichtspflicht. Meine 13 jährige Tochter wäre in diese Situation, dass sie neben einem Fremden einschläft, gar nicht erst gekommen, ,
  • Wie kommt ein 13 jähriges Mädchen nachts in der Türkei überhaupt in eine Disko, wenn sie so jung aussieht ?
  • Ist ein 13 jähriges Mädchen zwangsläufig ein schutzbedürftiges, unreflektiertes Kind oder muss die geistig / körperliche Entwicklung berücksichtigt werden ?
  • Kann Marco als ein erwachsener, reflektiert handelnder, seine sexuelle Befriedigung kalkulierender Triebtäter dargestellt werden oder erscheint er eher wie ein normaler Jugendlicher in der Pubertät, auf der Suche nach ersten Erfahrungen ?
  • Ist Marco nicht vielleicht selbst noch ein Kind ?
  • Warum zerstören die Medien die Identität dieses Jungen?
  • Warum bauschen die deutschen / türkischen Behörden exakt diesen Fall, der mit Sicherheit hundertfach genau so passiert , dermaßen auf ?
  • Warum spricht man von “schwerer sexueller Misshandlung” ?

Das sind Fragen, die mir nach der ausgiebigen Lektüre der Presse zu diesem Fall durch den Kopf schwieren. Ich habe nach wie vor das subjektive Gefühl, dass Marco wegen eines -aus meiner Sicht- minderschweren Vergehens ( wenn überhaupt?) wie ein politischer Häftling oder Spion stilisiert wird. Das ist nicht ok und das mache ich der Türkei (Justiz/Politik) zum Vorwurf. Darüber hinaus ist nicht klar, wie die Haftbedingungen sind.

Was die Zugehörigkeit der Türkei zur EU im Zusammenhang mit diesem Fall betrifft, meine ich, dass es ein äußerst ungünstiges Signal der Türkei in Richtung des Beitritts ist. Dieser Zirkus provoziert gewisse Gruppen, die jetzt daran ihre Vorurteile zu rechtfertigen versuchen. CDU/CSU Politiker machen da auch gern mal den Anfang. Dennoch bin ich vollkommen ideologiefrei der Meinung, dass die Türkei, unabhängig von diesem Fall, noch einigen Nachholbedarf im Hinblick auf Menschenrechte aufzuholen hat, um der EU beitreten zu können. Das heißt nicht, dass es nicht eine unglaubliche Bereicherung der EU wäre, wenn die Türken beitreten. Die Türkei hat eine unglaublich interessante Kultur, die durch einen Beitritt sicherlich noch von vielen weiteren Menschen entdeckt werden würde. Ich finde es ein bisschen schade, dass es alles jetzt so gekommen ist. Hatice Akyün (Westropolis), die ich wegen ihrer Texte sehr schätze, verdirbt mit ihrer beabsichtigten Übertreibung

Da gibt ein deutscher Jugendlicher seiner 13-Jährigen Urlaubsbekanntschaft einen harmlosen Kuss, und der böse, islamistische Türke steckt ihn dafür in seinen Folter-Knast […] (Quelle)

ihre sonst sehr treffende Argumentation. Denn: Nicht jeder, der die Türkei als Staat oder Justiz kritisiert, ist gleich ein Islam-Hasser oder steht diesem kritisch gegenüber. Angesprochen wurden sehr wohl kulturell unterschiedliche Auslegungen dieses Vorfalls und die lassen sich, meiner Meinung nach, kaum wegreden. Es macht wenig Sinn, Vorurteile (Die Türkei handle aufgrund islamistischer Gesetzgebung) durch Vorurteile (Die Presse instumentalisiert den Islamismus, um der Türkei zu schaden) zu kritisieren. Die konservative Stimmungsmache gegen die Türkei fällt mir ja auch auf, aber von Islamismus war nie, auch nicht im Ansatz die Rede.

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Stadtmarketing präsentiert neue Website.

Posted on 27 June 2007 by Dennis

Die Stadtmarketing Gesellschaft Gelsenkirchen präsentiert sich nun offenbar mit einer neuen Website. Noch sind die meisten Rubriken nicht fertig gestellt und obwohl die Seite ganz ansprechend gestaltet ist, stellt sich dich Frage, warum die Website nicht erst fertig gestellt wird, bevor sie online geht. Auf so unwichtige Sachen wie ein formales Impressum hat man ersteinmal verzichtet (Stand: 27.Juni 07: 21:35 Uhr). Hauptsache das Leitmotiv ist gut zu lesen. Experten eben, da steckse nich drin. Guckse’ selber

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Tod der politischen Rhetorik

Posted on 26 June 2007 by Dennis

Nun gut, Friedman ist für viele nicht wirklich die Ausgeburt der Glaubwürdigkeit, zu sehr hat ihm der Skandal um seine Person in der Öffentlichkeit geschadet. Eigentlich ist genau das bedauerlich, denn Friedman versteht es, der beliebten politischen Allsatzrhetorik den Todesstoß zu geben. Unvorbereitete, heuchelnde Gesprächspartner verspeist er rhetorisch zum Frühstück und selbst gestandene Redner haben es schwer mit Friedmans methodisch kontrollierten Ausrastern. Diese Form der Gesprächsführung kann man gut finden oder verabscheuen, Fakt ist jedoch, dass zumindest in den abendlichen Polit-Talkshows Friedmans “tiefgehendes” Nachfragen übergangen werden würde. Dort bleibt man, um Kravalle zu verhindern, lieber an der Oberfläche.

Warum ich das alles berichte ? Weil Friedman im Gespräch mit Klaus Ernst über “Die Linke” spricht und fragen stellt, die unbequem sind, fernab von Schönmalerei und Konjunktiven. Ein sehenswertes Interview. Hier klicken, um es anzuschauen.

Ein Kommentar (1)

Die Türkei hat in der EU nichts verloren,

Posted on 25 June 2007 by Dennis

solange sie solche Schlagzeilen produziert und sich wegen einem derartigen Nonsens sogar auf diplomatischer Ebene verweigert. Hoheitsrechte hier, anwendbares Recht da, über allem steht das Menschenrecht und das wird, wie es scheint, noch mit Füßen getreten. Goodbye Türkei, so hat sie in der EU nichts verloren. Grundsätzlich kann ich mir das politische Signal, dass durch dieses Gebahren gegeben werden soll, nicht erklären. Was auch immer deutlich gemacht werden soll, es ist mittelalterlich.

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Ihr müsst schon wissen was ihr wollt…

Posted on 24 June 2007 by Dennis

Ich habe neuerdings das Gefühl, die WAZ Mediengruppe ist intern gespalten. Gespalten in zwei Lager. Die Einen können sich kaum zügeln die Blogaktivitäten (Westropolis, WestEins) weiter voran zu treiben und etabierte Blogger zu engagieren, die Anderen nutzen jede Gelegenheit, sich als Journalist von den Bloggern zu distanzieren. Wenn Stefan Holthoff-Pförtner von der WAZ-Mediengruppe die Pressefreiheit für sehr wichtig hält, dieses aber nicht auf Weblogs angewandt wissen will, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass er Journalisten für die besseren Berichterstatter und Enthüller erachtet. Demokratie ja, aber nicht für Blogger. Wo kommen wir denn da auch hin. Wenn Ulrich Reitz als Chefredakteur Blogger relativ abwertend als “ein paar Wilde” betrachtet, dann stelle ich mir schon die Frage, welchen Stellenwert die Blogoffensive intern tatsächlich besitzt. Die Position, dass Journalisten einen höheren Stellenwert als Blogger haben, lässt sich sicherlich begründet vertreten. Dabei aber im eigenen Haus in gewisser Weise mit der Brechstange das Bloggen zu institutionalisieren, wirkt gespalten. (Quellen via Pottblog /WAZ Print)

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