Archiv | December, 2006

Weihnachstmarkt in Gelsenkirchen

Posted on 21 December 2006 by Dennis

In einer Randnotiz (“Politik in Kürze”) berichtet die WAZ in ihrer heutigen Ausgabe über den Weihnachtsmarkt in Gelsenkirchen. SPD-Ratsfraktions-Vize Lutz Dworzak merkt dort das Folgende an:

“Mit diesem Weihnachtsmarkt präsentieren wir uns als Großstadt nicht angemessen. Das angekündigte neue Konzept sei nicht erkennbar.”

Zwischenfrage: Welches Konzept ? Lalakakis verdeutliche gegenüber den Händlern der Ahstraße – geradezu entschuldigend – dass es zu diesem Weihnachtsmarkt kein Konzept gab. Es sei auf die WM zurück zu führen , dass es wenig Planungsvorlauf gegeben habe.

“Die SPD erwarte nun von der Stadtmarketing Gesellschaft ein schlüssiges Konzept für den Weihnachtsmarkt in 2007.”

Nicht nur die SPD.

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Illusionen von Individualität

Posted on 19 December 2006 by Dennis

Individualisierung war und ist nach wie vor das Schlagwort in vielen Gesellschaftsdebatten. Die führenden Köpfe bekannter und erfolgreicher Werbeagenturen fürchten, dass ganze Zielgruppen erodieren und bestimmte Käufe nicht mehr mit einen bestimmten Lifestyle korrelieren. Corsa Fahrer mit Brilliantenwecker am Handgelenk. Der Autoschlosser im Kaschmirpullover. Und die kognitiv eher naturbelassene Frisöse übt sich im Querflöte spielen. Auf den ersten Blick verschwimmen Klasse und Schicht. Auf den ersten Blick kann jeder alles erreichen. Vom Müllmann zum Mercedesfahrer. Vom Arbeiterkind zum Konzernchef. Die Herkunft verortet nicht mehr unbedingt im sozialen Raum. Seit der allgemeinen Verbesserung der Lebensumstände, nach dem zweiten Weltkrieg, beobachtet die Sozialpsychologie und Soziologie einen unfassbaren Schub gesellschaftlicher Diversifikation. Die Pluralisierung der Möglichkeiten ( Beck 1986 ) erhält Einzug in eine neue Moderne. Und auch wenn diese „neuen Möglichkeiten“ für die breite Masse idealtypische Konstruktionen des Wünschenswerten sind, so hat es in der Vergangenheit Fälle gegeben, die diese Beobachtung immer wieder bestätigten. Blickt man allerdings in die Zukunft, so zeichnet sich ein düsteres Bild: Die WAZ öffnete gestern mit der Schlagzeile „Aus Armut unversichert“. Den Kranken droht eine zwei Klassen Medizin. Dem Raucher droht der Ausschluss. Das Bildungssystem bittet unerbittlich jeden zur Kasse. Das Bafög wird abgeschafft. Die Folge wird sein: Inklusion wird zur Exklusivität. Die Armen bleiben arm. Der Ärztesohn wird Arzt. Das Arbeiterkind bleibt arbeitslos. Du bist, was dein Papa zu zahlen im Stande ist. Und dein Stand ist, was dein Stand dir gebietet.
Individualisierung scheint illusorisch. Gute Nacht Humboldt , gute Nacht Deutschland.

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Runde Tische

Posted on 11 December 2006 by Dennis

An diesem schönen Montag bin ich von der aus der Not gegründeten Interessengemeinschaft Ahstraße, vermittelt durch die von mir betreute Firma Wilp, darum gebeten worden, einem „runden Tisch“ beizuwohnen. Es trafen sich die Stadtmarketing Gesellschaft Gelsenkirchen, vertreten durch Herrn Lalakakis sowie Frau Schröder. Die Interessengemeinschaft, die es bis zu dem heutigen Treffen nicht gab, wurde vorrangig vertreten durch Herrn Dr. Heescher als Rechtsanwalt, sowie von den Händlern der Ahstraße, wovon einige heute offenbar verhindert schienen oder sich schlicht nicht getraut haben, zu erscheinen. Nachdem sich die Akteure zusammenfanden, übernahm Herr Dr. Heescher das Wort und wies auf die prekären Umstände in der Ahstraße hin, was er gleichzeitig zum Anlass nahm, nach den Zuständigen für diesen Missstand zu fragen. Herr Lalakakis antwortete – wie von mir erwartet – mit formal-organisatorischen Interna, die darauf abzielten, die Zusammenarbeit von SMG und Werbegemeinschaft City zu verdeutlichen, nicht aber darauf angelegt waren, die Frage inhaltlich zu beantworten. Nachdem ich Herrn Lalakakis darauf hinwies, fragte mich ein mir bis zu diesem Zeitpunkt unbekannter Mensch (offenbar der Chef vom Bierstand) relativ despektierlich nach meiner Funktion in der Runde. Nachdem ich das deutlich machte, durfte ich dann fortfahren. Herr Lalakakis begann dann zu erklären, warum der Weihnachtsmarkt so ist, wie er ist. Man sei seitens der Stadtmarketing selbst nicht zufrieden mit der Situation. Koordinationsprobleme, ein Mangel an Ausstellern, die überhaupt nach Gelsenkirchen wollen und der kurze Planungsvorlauf können nicht zu einem hervorragenden Ergebnis führen. Herr Lalakakis, der überdies eine sehr angenehme Art hat zu diskutieren, erläuterte dann erneut weitere durchaus nachvollziehbare Aspekte, die alle zu dieser Situation geführt hätten. Eine konkrete Antwort auf die Frage, wer die Planung der Stände koordiniert und wer sowohl zur City Woche im Herbst den Schlauch formte als auch jetzt den Weihnachtsmarkt plante, blieb er jedoch schuldig.
Als ein Ergebnis des über zweistündigen Gesprächs kann festgehalten werden, dass Herr Lalakakis der Händlergemeinschaft ans Herz legte eine formal organisierte Interessensvertretung ins Leben zu rufen, deren (zukünftig) gewählte Vertreter er dann gezielt in die zukünftigen Planungen der SMG einbeziehen könne. Auch sonst stellte er sich als persönlicher Ansprechpartner den Händlern zur Verfügung. Was positiv war: Herr Lalakakis verstand es, die Händler zu beruhigen und – was mich überraschte – er nahm jeden einzelnen Akteur mit seinem Anliegen sehr ernst. (Zumindest gab er ihnen das Gefühl) Was das alles gebracht hat, zeigt die Zukunft. Morgen treffen wir uns mit Herrn Oberbürgermeister Baranowski und es wird sich zeigen, was Lalakakis ihm heute mit auf den Weg gegeben hat und was nicht.

Ich persönlich habe – wie gesagt – Lalakakis als einen sehr intelligenten und angenehmen Gesprächspartner kennen gelernt. All das macht es für mich noch unverständlicher, wie er zu einem solch’ naiven Slogan (Herz im Revier voll Kraft und Zauber) stehen kann. Und wer als Person für das Ständechaos zuständig ist, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

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