Archiv | June, 2006

Buer der Buhmann

Posted on 15 June 2006 by Dennis

Vorsichtig formuliert könnte man ja durchaus äußern, dass Bueraner sich selbst oftmals als die “besseren Gelsenkirchener” begreifen. Die heile Welt in den Köpfen der Bueraner differenziert entschieden zwischen “Hochstraße” und “Bahnhofstraße”. Und genau an dieser Stelle differenzieren offenbar auch die WM Gäste. Allerdings wählen die Fans, anders als von den Bueranern erhofft, die Bahnhofstraße und Umgebung als primäre Destination. Und so läuft die Gastronomie im “besseren Gelsenkirchen” schleppend bis überhaupt nicht. Vermutlich weil selbst die feinen Damen und Herren aus dem schönen Buer auf der Glückauf Fifa Fan Party abtanzen, statt am Stammtisch die Kehle zu ölen. Die Folge ist nun, zumindest berichtete die WAZ am gestrigen Mittwoch darüber, dass die Bueraner der Stadt eine Intrige vorwerfen. Die Fans würden ganz bewusst in die Stadtmitte geführt und die armen Wirte in Buer, hätten nun nichts mehr zu tun. Natürlich dementierte die Stadt diese Vorwürfe umgehend und wies darauf hin, dass auf beide Zentren aufmerksam gemacht werde. Nun gut, aber was bitte geht in den Köpfen bueraner Wirte vor ? Die haben doch nicht ernsthaft damit gerechnet, dass ortsfremde Fans, Kneipen in Buer aufsuchen ? Fans sind dort, wo was los ist. Und was los ist derzeit in Gelsenkirchen. Und weil das schöne Buer in der Regel nichts mit dem ordinären Gelsenkirchen zu tun haben will …

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Ein Plädoyer für Bildung mit Zeit.

Posted on 02 June 2006 by Dennis

Es stürmt auf dem Arbeitsmarkt für Akademiker. Hochschulabsolventen haben es derzeit sehr schwer in Arbeit zu kommen. Du brauchst gute Kontakte und kannst Dir ein Semester über die Regelstudienzeit nicht leisten, wenn Du n’ Job kriegen willst. Meistens vernimmt man diese Sätze von Menschen, die die ehrwürdigen Mauern eines Gymnasiums noch nie von innen gesehen haben und nach dem erfolgreichen Realschulabschluss eine Ausbildung als Bürokauffrau oder Energieelektroniker absolvierten. Es sind erstaunlicherweise immer die Menschen, die das Bildungswesen reformiert sehen wollen, die es selbst früh verlassen haben. Ja, es gibt ein Leben nach der Realschule! Vor allem gibt es auch Jobs für Leute jenseits der FOR . Ich studiere und kann eines sicher und mit gutem Gewissen sagen: Wer wirklich gut sein will, braucht Zeit! Ich kenne Menschen, die brettern durchs Studium, wie Schumi durch Monza. Neun Semester haben sie gesetzlich Zeit und in fünf sind sie fertig. Tolle Leistung, kein Zweifel, doch das, was im Studium erreicht werden sollte, fehlt diesen Menschen. Zumindest denen, die ich bisher kennenlernen durfte. Bin ich gebildet, wenn ich die korrekte Literaturangabe mit Seitenzahl und Zeilenangabe von “Herr: Es ist Zeit. /Der Sommer war sehr groß./ Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren /und auf den Fluren laß die Winde los.” aus dem Kopf aufsagen kann? Oder bin ich gebildet, wenn ich weiß wer Rilke war? Oder reicht all das nicht aus um gebildet zu sein? Vielleicht bin ich ja gebildet, wenn ich weiß, dass es “Herbsttag” heißt. Weiß ich dann, was der Autor mir damit sagen will? – Freilich kann ich es mir anlesen und reproduzieren, aber verstehe ich es? Kann ich mich gar in Rilke versetzen? Nein, dass kann man nicht! Zumindest nicht im Studium der Germanistik, das man in 4 Semestern “durchzieht”, wobei man alle Literaturgattungen und Epochen würdigt . Ich selbst studiere das Fach nicht, aber ich weiß, dass es nicht geht.
Worauf es mir ankommt ist ein wenig “Die Bildung des Herzens” im Sinne Philippe Ariès’ . “Wer gebildet ist, kann kein Schwein sein” Es geht mir um ein tiefgründiges Verständnis von Gesellschaft und Wert. Nur sehr wenige erreichen soetwas im Studium. Aber niemand erreicht das in fünf Semestern. Studiengebüren produzieren Abschlüsse und Titel in Rekordzeit, aber sie verdrängen die Bildung. Selbstherrliches Gefassel sagen Sie ? Gratulation zur FOR, sage ich.

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